BGH · III ZR 120/67
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Landwirt Thomas ^er verstorben und von seiner Ehefrau, der jetzigen Klägerin, allein beerbt worden ist, sagte dem Beklagten in einem Vortrag vom 29o Juli 1964, der vor dem Notariat in Reut-te (Tirol) geschlossen wurde, ein Darlehen von 150 <>000 DM zu« Das Darlehen sollte durch Eintragung eines Pfandrechts an dem Grundstück des Beklagten in Heiterwang (Tirol) gesichert (§ 2 a) und nur für den Bau eines Alpen-Hotels verwendet werden (§ 2 c)o Der Vertrag sah eine Laufzeit des mit 10 & jährlich vor- Oktober 1964 den Vertreter des Darlehensgebers, Rechtsanwalt Dr. PjHHB dahin, der Beklagte werde sich, sobald der Rohbau in etwa zwei Wochen fertiggestellt sein werde, um eine erste Hypothek bemühen, mit der das Darlehen ausgelöst werden solle, und bat, im Höchstfälle noch 6 bis 8 V/o- Mit der Klage fordert die Klägerin - nach vorangegangenem Mahnverfahren - von dem Beklagten die Rückzahlung des gewährten Darlehens« Sie hat vorgetragen, der Beklagte habe sich am 23° Oktober 1964 in Abänderung des Darlehensvertrages verpflichtet, die Darlehenssumme bis Ende Dezember 1964 zurückzuzahlen, und hat beantragt, den Beklagten zur Zahlung von 100„000 DM nebst 8 $ Zinsen seit dem 29« Juli 1964 zu verurteilen« Der Beklagte hat um Abweisung der Klage gebeten« Er hat bestritten, sich zur vorzeitigen Rückzahlung verpflichtet zu haben, und behauptet, er habe lediglich in Aussicht gestellt, das Darlehen vorzeitig zurückzuzahlen, falls nach entsprechendem Baufortschritt die Aufnahme einer ersten Hy pothek und damit eine andere Finanzierung möglich werden sollte« Diese Bedingung sei aber nicht eingetreten o Zur vorzeitigen Kündigung sei die Klägerin nicht befugt, weil sie vertragswidrig die restliche Darlehenssumme nicht ausgezahlt habe« Hilfsweise hat der Beklagte die Aufrechnung erklärt mit einer Forderung auf Auszahlung des Rest darlehens von 50<,000 DM sowie mit einem Anspruch auf Schadensersatz, den er damit begründet hat, daß er den begonnenen Hotelbau, für den das Darlehen bestimmt war, wegen des Verzuges in der Auszahlung nicht habe weiter führen können, wodurch erhebliche Verwitterungsschäden in Höhe von bisher 39o731,19 DM eingetreten seien und noch weiterhin einträteno Hierauf hat die Klägerin erwidert, der Beklagte selbst habe verschuldet, daß der Bau nicht habe unter Dach gebracht werden können und deshalb anderweite PinanzierungsVerhandlungen gescheitert seien; denn der Bau sei behördlich stillgelegt worden, weil der Beklagte entgegen der Baubewilligung ein Stockwerk zusätzlich aufgesetzt habe« Der Beklagte könne die Auszahlung des Darlehensrestbetrages auch deshalb nicht beanspruchen, weil er in Vermögensverfall geraten sei« 2« Anders als das Landgericht hat das Berufungsgericht nicht für bewiesen gehalten, daß die Parteien sich auf eine vorzeitige Rückzahlung des aus« gezahlten Darlehens geeinigt hätten; es hat aber die Verpflichtung des Beklagten aus dem Vertrag vom 29* Juli 1964 hergeleitet und hierzu ausgeführt: Nach Ziff« 2 b des Vertrages sei der Darlehensgeber berechtigt, nach dem 31« Juli 1966 durch vierteljährliche Kündigung Beträge bis zur Hälfte do3 gewährten Darlehens fällig zu stellen« Der Kündigungswille, also der Wille, das Darlehensverhältnis zu beenden, sei durch die Portsetzung des Rechtsstreits über den 31« Juli 1966 hinaus deutlich zu dem Ausdruck gekommen« Die Klägerin könne daher die Hälfte des gewährten Darlehens, also 50«000 DM, zu dem 30« September 1966 verlangen« Der Anspruch auf Rückzahlung der restlichen Darlehenssumme rechtfertige sich aus Ziff« 2 f des Vertrages, weil der Beklagte "eine bedungene Teilrückzahlung", nämlich die zu dem 30. 1. Die Revision meint, dem Klageverlangen stehe die Einrede entgegen, daß der Beklagte noch nicht die volle Darlehenssumme, die bestimmungsgemäß für den Bau in Heiterv/ang habe verwendet werden sollen, erhalten habe; erst wenn die Klägerin dem Beklagten die restlichen 50»000 DM gezahlt und der Beklagte das volle Darlehen zwei Jahre lang für die Finanzierung des Baues habe nutzen können, dürfe die Klägerin die Hälfte ab-rufen» Daran ist richtig, daß der Vertrag vom 29»Juli 1964 unter dem "Darlehen” auch im Sinne der Bestimmungen über die Laufzeit und Kündigung (Ziff,2 h) die volle Darlehenssumme von 150»000 DM verstand, die dem Beklagten in Ziff„ 1 zugesagt worden war. dahin einig geworden, daß die 50„000 DM Restdarle-hen nicht mehr ausgezahlt werden sollten; das beruht auf nachstehenden Erwägungen und Feststellungen des Berufungsgerichts: Der Beklagte sei in einer Besprechung am 23« Oktober 1964 mit seinen Beratern Rechtsanwalt V/i^B und Dr„ Kzf|m dahin einig geworden, daß durch Aufnahme einer Hypothek Geld beschafft und das Darlehen von 100 «,000 DM zu-rückgezahlt werden solle, um Zinsen zu sparen» In diesem Sinno habe Rechtsanwalt WiflH mit dem Vertreter der Gegenseite, Rechtsanwalt Dr. iflBfHi, fernmündlich gesprochen und diesem dann unter dem 26o Oktober 1964 geschrieben«, Davon, daß noch das Re3tdarlehen an den Beklagten gezahlt werden solle * sei überhaupt nicht mehr die Rede gewesen» Die einseitige Meinung von Rechtsanwalt Y/iflB? der Beklagte könne, falls er die Hypothek zur Umschuldung nicht bekomme, auf der Auszahlung von 50«,000 DM beharren, wie er unter dem 26» September 1964 an Rechtsanwalt Dr» goschriehen habe, sei weder bei dem Ferngespräch mit Rechtsanwalt DroPf^ minoch in dem Brief vom 26. ausgedrüokt werden müssen; sie habe aber - wie des Beklagten selbst hervorgehe - gar nicht bestanden» Denn beide, und zwar auch der Beklagte seihst, hätten die Erinnerungen von Rechtsan- 100,000 DM noch nicht zurückgezahlt worden seien» Die Beteiligten seien sich darüber einig gewesen, daß die 50»000 DM Restdarlehon nicht mehr verlangt werden sollten» Auf den Vortrag des Beklagten, Rechtsanwalt sei lediglich bevoll- mächtigt gewesen, den Darlehensgeber zur Erfüllung des Dariehensverträges anzuhalten, er habe aber nicht auf vertragliche Ansprüche verzichten dürfen, komme es nicht an» Denn auch der Beklagte selbst sei nach der Besprechung mit seinen beiden Beratern der Meinung gewesen,, daß die Auszahlung des Restdarlehens nicht mehr verlangt werden sollte, und sei sich darin mit der Gegenseite einig gewesen» Diese Willensrichtung sei deutlich dadurch zu dem Ausdruck gekommen, daß er die wiederholten Rückzahlungsverlangen von Dr» PfHH^Bnur mit einem Hinweis auf die bisherige Erfolglosigkeit dor Fi-nanzierungsbemühungen beantwortet, aber nicht seinerseits auf der Erfüllung der Darlehenszusage aus dem Verhalten von Rechtsanwalt V/i weil es - anders als das Landgericht - das Schreiben von Rechtsanwalt Wif|H vom 26» Oktober 1964 nicht als die entscheidende Erklärung für den Beklagten gewertet, sondern in diesem Schreiben nur ein Anzeichen für die Meinungsäußerung beider Seiten gesehen hat, wie in anderen Umständen, insbesondere dem eigenen Verhalten des Beklagten auch« Ohne Erfolg trägt die Revision weiter vor, der Beklagte habe sich gegen das Rückzahlungsver-langen der Klägerin gewandt, er habe nicht auf die Auszahlung der restlichen 50»000 DM verzichtet» Demgegenüber hat das Berufungsgericht festgestellt, der Beklagte selbst habe nach dem Scheitern der Bemühungen um eine Umfinanzierung das Restdarlehen nicht mehr verlangt, er habe die wiederholten Rückzahlungsverlangen Dr» PHHHB nur einem Hinweis auf die Erfolglosigkeit seiner Finanzierungsbemühungen beantwortet, aber nun seinerseits nicht mehr auf der Erfüllung des ursprünglichen Darlehensvertrages bestanden» Diese tatsächliche Feststellung ist für die Entscheidung des Revioionsgerichts bindend (§ 561 ZPC), denn die Revision richtet gegen die Feststellung nicht einen zulässigen und begründeten Angriff (§§ 561 Abs» 2, 554 Abs» 3 Nr» 2, 559 ZPO); sie behauptet vielmehr einfach das Gegenteil? zu § 133 An. 8)* Selbst wenn Rechtsanwalt Wi^HB der Auffassung war* der Beklagte könne und werde, falls er eine Hypothek nicht bekommen sollte, auf der Erfüllung des ursprünglichen DarlehensVertrages bestehen - eine Auffassung* der er* v/ie das Berufungsgericht festge-stellt hat, auch nicht andeutungsweise Ausdruck gab, -wird damit dem Berufungsurteil die Grundlage nicht entzogen« Denn verfahrenorechtlich hatte das Berufungsgericht seine Überzeugung nicht auf Grund einer Aussage allein, sondern unter Berücksichtigung des gesamten Inhalts der Verhandlungen und des Ergebnisses der Beweisaufnahme zu bilden (§ 286 ZPO); e3 war daher auch nicht gehindert* aus der Aussage von Dr. Kx^m^den Schluß zu ziehen, allen Teilnehmern an der Besprechung vom 23« Oktober 1964 (also dem Beklagten, Rechtsanwalt WiflB und Dr. KrflHH) sei es "klar11 gewesen, daß die 100.000 DM zurückgozahlt werden sollten. Hechtsanwalt Hr, HHP an die Rückzah-lung dor IOOoOOO HM lediglich mit einem Hinweis auf die bisherige Erfolglosigkeit ihrer Umschuldungsbemühungen beantworteten und die Nichtrückzahlung entschuldigten, ohne daß von der Auszahlung des Restdarlehens überhaupt noch die Rede war, - Feststellungen, die von der Revision nicht angegriffen werden, - tragen den rechtlichen Schluß, die Parteien seien sich darüber einig gev/orden, daß der Beklagte die Auszahlung des Restdarlehens nicht mehr verlange» Es ist verfehlt, wenn die Revision meint, einer Erneuerung dieses Verlangens seitens des Beklagten habe es nicht mehr bedurft, nachdem Rechtsanwalt in seinem Schreiben vom 26» September 1964 die Forderung nach der Auszahlung des Restes unmißverständlich ausgesprochen und für den Fall der Nichterfüllung rechtliche Maßnahmen angedroht habe« Hie Revision übersieht hierbei, daß Rechtsanwalt Dr» P(0~ B^|für die Klägerin diese Forderung unter Angaben von Gründen mit seinem Schreiben vom 30«, September 1964 abgelehnt hatte und daß gerade diese begründete Weigerung der Anlaß und Ausgangspunkt aller anschließenden Erörterungen war» Wurden aber - wovon hiernach auszugehen ist -die Vertragsteile in dem Sinne einig, daß der Betrag von 50 o000 HM an den Beklagten nicht mehr gezahlt werden solle, und änderten sie damit den Vertrag vom 29 * Juli 1964 wirksam durch eine spätere Vereinbarung ab, so steht dem Beklagten die Einwendung, er habe das zugesagte Darlehen überhaupt noch nicht .vollständig nutzen können, nicht zu und es erscheint als un-bedenklich, die Bestimmungen des Vertrages sinngemäß auf das vereinbarungsgemäß gekürzte Darlehen anzuwenden, wie es der Entscheidung des Berufungsgerichts zugrunde liegt» Damit rechtfertigt sich sowohl die Kündigung des gewährten Darlehens als auch die von der Klägerin geforderte Verzinsung mit 10 # seit Vertragsbeginn aus dem Vertrag vom 29« Juli 1964» Hinsichtlich der Zinsen bringt die Revision nichts vor, was gegen das Berufungsurteil sprechen könnte»