BGH · III ZR 115/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Revision der Kläger zu 1) und 2) gegen das Urteil des 12. über die in den §§ 1 und 2 aufgeführten Grundstücke und Gewerbebetriebe verbindliche Verfügungen gerichtlich und außergerichtlich zu treffen, die für uns verbindlich sind« Die Generalvollmacht berechtigt auch zur Abgabe von Erklärungen gegenüber den Behörden, insbesondere dem Finanzamt,, Die Bevollmächtigte ist zu baulichen Änderungen befugt, wenn die Erhaltung des Grundbesitzes, insbesondere seiner Wirtschaftlichkeit, dies erfordern« Bei wesentlichen Änderungen ist jedoch die Zustimmung der Hälfte der am verwalteten Vermögen beteiligten Personen einzuholen» Jeder Miterbe ist nach seinen Kräften zur Mitarbeit in den Gewerbebetrieben verpflichtet« Der Umfang und die Art der Arbeitsleistung bleibt wie bisher; bei notwendigen Umstellungen entscheidet die Generalbevollmächtigte für sämtliche Miterben verbindlich« ««« § 7 Soweit nach den Vorschriften über die Ausübung von Gastwirtschaften (Gaststättengesetz) für die Portf ührungderGastwirt schaf tsbetrieb^^iden Häusern hHBBHB Straße HB und ^HHHHi H b die Umschreibung der Konzession auf einen Erben oder die Erteilung einer neuen Konzession erforderlich werden sollte, hat die Generalbevollmächtigte, Miterbin Adele MHBs die erfordern- von der Erschienenen zu 4) weitergeführt wirdo Die erforderlichen Abmachungen für die Erbengemeinschaft bz\Yo für die Erschienenen zu l) - 4) trifft die Erschienene zu 2) mit dieser Miter-bin* Der Kinobetrieb sowie das Uhren- und Optikergeschäft soll auf den tarnen des Erschienenen zu l) weitergeführt werden «,f hatten die Beklagte und deren Mutter schon zu Lebzeiten des Erblassers eine-* Gastwirtschaft;, Eisdiele und Spielhalle betriebene Adele Mfli überli&S entsprechend dem Vertrag vom 6« Juni 1962 der Beklagten die weitere Bewirtschaftung dieser Betriebeo Die Beklagte sollte verpflichtet sein? sondern verpachtet würden« Hierzu haben sie vorgetragen: Der Erbenge-meinschaft verbleibe bei der bisherigen Art und Weise der Abrechnung kein Gewinn» Die Beklagte führe zwar den Brios aus dem Bierausschank abzüglich einer Zapfverlustpauschale ab? Die Kläger haben gegen die Beklagte weiter folgende Vorwürfe erhoben: Ihre Wirtschafts- und Buchführung sei unordentlich» Sie öffne trotz wiederholter Aufforderungen die Gastwirtschaft erst um 17 Uhr; dadurch werde der Bierumsatz niedrig gehalten und die Erbengemeinschaft entsprechend geschädigt« Sie lasse den Plattenspieler so laut spielen? halle und die im gleichen Hause gelegene Bisdiele, jeweils mit den dazu gehörenden Nebenräumen, zu räumen und an die Kläger herauszugeben, Die Beklagte hat beantragt, die Klage abzuweisen* Sie ist der Ansicht, daß ihr durch den notariellen Vertrag vom 60 Juni 1962 die Stellung als Mitverwalterin der Erbengemeinschaft eingeräumt worden sei* Aus dieser Stellung könne sie gegen ihren Willen nur entfernt werden, wenn seit Abschluß dieses Vertrages eine wesentliche Änderung der Verhältnisse eingetreten wäre, insbesondere wenn neue Tatsachen hervorgetreten wären* die eine andere Art der Verwaltung erforderten, doh*, wenn jetzt ein wichtiger Grund zu einer solchen Maßnahme vorliegen würde, was die Beklagte jedoch verneint • Sie weist darauf hin, daß die von ihr geführten Betriebe seit jeher in der Art und Weise bewirtschaftet worden seien, wie sie diese Betriebe auch heute noch führeo Der Hauptgewinn aus der Gastwirtschaft sei seit jeher aus dem Bierumsatz geflossen* Da sie die^ sen Gewinn abzüglich nur einer geringen 2apfverlustpauschale voll an die Erbengemeinschaft abführe, sei die Gastwirtschaft für die Erbengemeinschaft auch rentabel* Da die Wirtschaft seit jeher als Schankund nicht als Speisebetrieb geführt werde, reiche eine Öffnung erst um 17 Uhr auch aus, zu demal sie auf diese' 'Weise die Gastwirtschaft allein betreiben und der Erbenge- Das Landgericht hat die Klage abgewiesen* Die Berufung der Kläger ist erfolglos geblieben» Mit ihrer Revision verfolgen die Kläger zu 1) und 2) ihren Klageantrag weiter» Die Klägerin zu 3) hat nach dem Vortrag der Beklagten dieser während des Revisionsverfahrens ihren Anteil am Nachlaß des Waldemar abgetreten» Der Prozeßbevollmächtigte der Kläger ist für sie in der Revisionsverhandlung nicht aufgetreten? Die Beklagte bittet, das Rechtsmittel der Kläger zu l) und 2) zurückzuweisen, gegen die Klägerin 2U 3) hat ihr Prozeßbevollmächtigter keinen Antrag gestellt, insbesondere nach seiner ausdrücklichen Erklärung wegen der veränderten Interessenlage auch nicht zu dem Kosten-punkto Entscheidungsgründe; Ob nun der Vertrag vom 6» Juni 1962 eine der Beklagten das Recht zur Verwaltung und Bewirtschaftung der Gaststätte einräumende Verwaltungsvereinbarung enthalte, oder ob er nur deren besonderes Besitz-und Hutzungsverhältnis im Sinne der vorstehenden Ausführungen begründe, könne bei der gegebenen Sachlage schon deshalb dahingestellt bleiben, weil in beiden Fällen eine Kündigung nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes möglich sei« Für ein etwa nur vorliegendes besonderes Besitz- und NutzungsVerhältnis im Sinne vor stehender Ausführungen sei dieses schon dargelegt; in Bezug auf eine VerwaltungsVereinbarung nach §§ 2038, 745 BGB sei es jedenfalls anerkannten Rechts, daß diese bei unveränderter Sachlage gar nicht, sondern nur bei wesentlicher Veränderung der Sachlage oder bei Vor liegen eines sonstigen wichtigen Grundes durch Mehrheitsbeschluß der Mitorben abgeändert werden könne« Die Kläger hätten keine Tatsachen vorgotragen, aus denen eine wesentliche Veränderung der Lage der Miterbengemeinschaft in der Zeit seit Abschluß des Vertrages oder ein anderer wichtiger Kündigungsgrund herzuleiten sei« Unstreitig bewirtschafte die Beklag- keinen Grund für die Abänderung des Vertrages gegen den V/illen der Beklagten,. "Jeder Miterbe ist nach seinen Kräften zur Mitarbeit in den Gewerbebetrieben verpflichtet0 Der Umfang und die Art der Arbeitsleistung bleibt wie bisher; bei notwendigen Umstellungen entscheidet die Generalbevollmächtigte für sämtliche Miterben verbindliche " Die Revision meint, danach hätten die Vertragsschließenden die Notwendigkeit einer "Umstellung" der Gewerbebetriebe bereits erkannt und die Entscheidung darüber in die Hand der Generalbevollmächtigten gelegt; da diese, die Klägerin zu 2), die Kündigung miterklärt habe, müsse also die Klage Erfolg haben, wenn die Umstellung notwendig gewesen sei 0 Das Berufungsgericht habe gleichwohl die Klage unter diesem Gesichtspunkt nicht gewürdigt, vielmehr die Befugnisse der Generalbevollmächtigten rechtsirrig für bedeutungslos gehaltene Nach dem Klagevortrag sei eine Umstellung dringend erforderlich gewesen; diesen Vortrag habe das Berufungsgericht unrichtig gewürdigt, weil es wesentliche Tatsachen außer acht gelassen lind einen angebotenen Beweis nicht erhoben habe« Damit dringt dio Revision nicht durch« Es ist richtig, daß das Berufungsgericht den Satz des § 3 des Vertrages: "Bei notwendigen Umstellungen entscheidet die Generalbevollmächtigte für sämtliche Miterben verbindlich" im Gegensatz zu den unmittelbar davorstehenden Sätzen des Vertrages nicht ausdrücklich gewürdigt hat« Daraus kann aber nicht geschlossen werden, es habe bei seinen Erwägungen diese Bestimmung übersehen, auf die die Kläger den Klageanspruch ausdrücklich mitgestützt haben (Schriftsatz vom 11« Februar 1964 S« 2;Berufungs- begründung So 5)* Denn es erwägt, wie auch die Revision nicht verkennt, in anderem Zusammenhang, daß an verschiedenen Stellen des Vertragswerks die Stellung der Generalbevollmächtigten besonders hervorgehoben sei und ob nicht deren Wille bei Unstimmigkeiten unter den Erben über die Verwaltung des Nachlasses entscheidend sein solle» Das Berufungsgericht hat die Klausel also nicht übersehen, sondern ihr lediglich nicht die Bedeutung beigemessen, die die Revision ihr zulegen willo Es geht dabei in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung dos Bundesgerichtshofs (BGHZ 34, 367, 369 f) davon aus, die Mehrheit der Erbengemeinschaft könne bei wesentlicher Veränderung der Sachlage oder Vorliegen eines anderen wichtigen Grundes die Vereinbarung mit der Beklagten kündigen» Das Berufungsgericht schließt auch keineswegs aus, daß ein erheblicher Rückgang der Einnahmen aus dem Filmtheater eine wesentliche Veränderung darstellen könnte» Da aber die Mehrheit der Erben einschließlich der Generalbevollmächtigten die Kündigung erklärt haben, kommt es auf die Frage, ob die Generalbevollmächtigte allein berechtigt war, die mit der Beklagten getroffene Vereinbarung außer Kraft zu setzen, nicht an, wenn die Wirksamkeit der Kündigung von einer wesentlichen Veränderung der Sachlage oder dem Eintritt eines wichtigen Grundes abhängt» Anders läge die Sache, wenn die fragliche Klausel dahin auszulegen wäre, die Generalbevollmächtigte könne eine betriebliche Umstellung zu Lasten der Beklagten auch dann anordnen, wenn die wirtschaftliche Lage der Erbengemeinschaft dies ei*fordere, ohne daß eine wesentliche Änderung der Sach- läge, insbesondere ein wichtiger Grund zur Kündigung, entstanden sein müsse, falls also die Vereinbarung mit der Beklagten schon dann aufgehoben werden könnte, wenn die bereits bei ihrem Abschluß vorhandenen, vielleicht nicht richtig beurteilten wirtschaftlichen Verhältnisse der Erbengemeinschaft von Anfang an eine andere Regelung geboten hätten0 Wollte die Revision die Klausel so auslegen, so könnte ihr nicht gefolgt werden« Bas Berufungsgericht hat, wie der Revision einzuräuraen ist, sich mit dieser Auslegungsmöglichkeit nicht ausdrücklich auaeinandergesetzte Aus der oben wiedergegebenen Begründung seines Urteils ergibt sich indessen zv/eifeisfrei, daß es der Generalbevollmächtigten insoweit keine stärkere Stellung zuerkannt hat, als der Mehrheit der Erben, welche die Generalvollmacht erteilt hat«, Biese Auslegung beruht nicht auf Rechtsverstoß» Insbesondere ist es rechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht annimmt, bei der gegebenen Sachlage könnten die Generalbevollmächtigte und die Mehrheit der Miterben nach Treu und Glauben das der Beklagten vertraglich eingeräumte Besitz- und Hutzungs-recht nur bei einer wesentlichen Änderung der Lage der Erbengemeinschaft oder aus einem anderen wichtigen Grunde kündigen» Bieses Ergebnis wird von den vom Berufungsgericht mit Recht hervorgehobenen Umständen getragen, daß der Beklagten die Rührung der Gastwirtschaft wio vorher ihrer Mutter in ihrer Eigenschaft als Miterbin eingeräumt wurde und daß sie auf das Recht der Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft bis zu dem To- do der Kläger zu l) und 2) verzichtet hat» Dazu kommt, daß in dem Vertrage vom 6, Juni 1962 der Generalbevollmächtigten eine starke Stellung eingeräumt ist» Würde die Beklagte gezwungen, die Gastwirtschaft abzugeben und würde die Erbengemeinschaft fortbestehen, dann wäre der Beklagten nicht nur die Tätigkeit entzogen, von der sie bisher ihren Lebensunterhalt mindestens zu einem maßgebenden Teil bezogen hat, sondern auch ihre Stellung in der Erbengemeinschaft einseitig dahin verschlechtert, daß sie einerseits von der tätigen Mitwirkung an der Verwaltung des Nachlasses ausgeschlossen wäre, andererseits Gefahr liefe, an die Beschränkung ihrer Miterbenrechte gebunden zu bleiben, die der Vertrag durch den Ausschluß der Auseinandersetzung und die Bestellung einer Generalbevollmächtigten bewirkt. gemacht worden sind, geben für eine solche Prüfung ebensowenig eine hinreichende Grundlage wie die eingereichten Privatgutachten, die sich lediglich mit der Möglichkeit befassen, die Einnahmen aus dem von der Beklagten geführten Gastv/irtschaftsbetrieb zu erhöhen. Me Revision macht nicht mehr geltend, die Art der Geschäftsführung der Beklagten rechtfertige die Kündigung, sondern will einen Kündigungsgrund nur noch aus der behaupteten Notwendigkeit herleiten, aus dem Gaststättenbetrieb durch Verpachtung höhere Einnahmen für die Erbengemeinschaft zu erzielen« Wie oben dargelegt, könnte indessen eine solche Notwendigkeit einen Kündigungsgrund nur abgeben, wenn sie auf einer wesentlichen Änderung der Verhältnisse seit Vertrags-Schluß beruhen würde« Bas Vorliegen dieses Erf order-nisses hat das Berufungsgericht ohne Rechtsverstoß verneint« Es ist mit Recht der Ansicht, die Kläger hätten nicht substantiiert vorgetragen, daß im Kinobetrieb seit dem Abschluß des Vertrages vom 6« Juni 1962 ein wesentlicher Rückgang der Einnahmen eingetreten sei« Die Revision weist zwar zutreffend darauf hin, daß die Beklagte im Schriftsatz vom 16« März 1965 So 4 vorgetragen hat, das Kino sei in der Zeit der Verwaltungstätigkeit der Klägerin zu einem Zuschußbetrieb geworden« Biese allgemeine und in einem anderen Zusammenhang gemachte Bemerkung sagt aber nichts darüber aus, daß der Ertrag des Lichtspieltheaters in achten des Sachverständigen Knocke und des Vereins zur Förderung des Hotelund Gaststättengewerbes keine Schlüsse zugunsten der Kläger gezogen hato Auf die Frage, ob sich die Einnahmen aus der Gastwirtschaft erhöhen lassen, allein kam es nicht entscheidend an9 sondern - wie ausgeführt - darauf, ob sich die Verhältnisse der Erbengemeinschaft seit Vertragsschluß wesentlich geändert habeno Abgesehen davon geben die eingereichten Gutachten deshalb nicht die Möglichkeit eines zuverlässigen Vergleichs zwischen den Einnahmen, die die Erbengemeinschaft von der Beklagten bezieht,und denen, die sie von einem Pächter der Gastwirtschaft beziehen könnte, weil einerseits eine Abrechnung über die tatsächlichen Einnahmen nicht vorgolegt ist und andererseits die Gutachten in Gestalt der errechneten Pachten nur Roheinnahmen, aber nicht die erzielbaren Reineinnahmen ange-ben« Auch dem als übersehen gerügten Vortrag der Beklagten, daß in der Gaststätte erhebliche Ausbesserungen nötig seien und daß sie - Beklagte - angesichts der überaus schlechten Ertragslage sich für 1964 einen Gesamtreingewinn von nur 362,97 DM errechnet habe, mußte das Berufungsgericht keine Hinweise dafür entnehmen, daß in den Verhältnissen der Erbengemeinschaft seit Vertragsschluß eine wesentliche Änderung eingetreten sei« Damit erweist sich die Revision der Kläger zu 1) und 2) als unbegründet« Hinsichtlich der Klägerin 2u 3 war von einer Entscheidung abzusehen• Denn der Prozeßbevollmächtigte der Kläger ist für sie nicht aufgetre- ton, der Prozeßbevollraächtigte der Beklagten hat eine Entscheidung gegen sie wegen der behaupteten Erbteilsübertragung nicht gewünscht und die Kläger sind nicht in der Weise notwendige Streitgenossen, daß sie nur zusammen befugt wären den Hechtsstreit zu führen; auch ein einzelner Miterbe wäre klageberechtigt gewesen (§ 2039 BObK Deshalb ist es auch rechtlich möglich, daß ein Miterbe, der sich zunächst am Hechtsstreit beteiligt hatte, aus diesem ausscheidet oder das Verfahren nicht weiterbetreibt o