BGH · III ZR 109/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Mit der Klage begehrt die Klägerin die Feststellung, daß sie auf Grund Testamentes Alleinerbin des Friedrich Der Beklagte tritt der Klage entgegen, weil der Erblasser ein Testament nicht errichtet habe® Br hat Abweisung der Klage beantragt <, Zwar habe die Mutter der Klägerin, die Zeugin D| erklärt, daß ein handschriftliches Testament des Erblassers mit dem in der Klage behaupteten Inhalt vorhanden gewesen sei» Gegen die Glaubwürdigkeit dieser Zeugin bestünden jedoch erhebliche Bedenken» Auf Grund ihrer Aussage könnten sichere Feststellungen über die Errichtung, die Form und den Inhalt des angeblich abhandengekommenen Testamentes nicht getroffen werden» Auch die Aussage der Zeugin reiche für die Feststellung eines formgül- Gegen die Annahme, der Erblasser habe zuhause ein Testament zugunsten der Klägerin zurückgelassen, spreche schließlich, daß Friedrich es nach Aussage des Zeugen in der Gefangenschaft für notwendig angesehen habe, ein solches Testament in Briefform abzusetzen » Zwar habe der Zeuge auch bekundet, daß der Erblasser weiter gesagt habe, sein Vater habe schon ein Testament; damit sei aber über die Formgültigkeit und den Inhalt des Testamentes noch nichts gesagt» Gerade weil es dem Erblasser und dem Zeugen notwendig erschienen sei, ein neues Testament abzusetzen, müsse gefolgert werden, daß das andere Testament möglicherweise form-ungültig gewesen sei oder aber einen anderen Inhalt gehabt habe* 1» Das Berufungsgericht geht davon aus, daß ein vom Erblasser etwa errichtetes Testament nur rechtsgültig sein könne, wenn es vom Erblasser nicht nur eigenhändig unterschrieben, sondern auch eigenhändig geschrieben worden seio Dabei hat das Überlandesgericht die Bestimmungen über Ilili tartest ament e nicht beachtet s !• Der Erblasser konnte als Soldat damals ein Testament rechtsgültig auch in der Weise errichten, daß er eine seinen letzten Willen enthaltende Urkunde, mochte sie auch nicht von seiner Hand geschrieben sein, nur eigenhändig Unterzeichnete» Wohl war in § 21 Abs» 1 TestG (jetzt § 2247 Abs» 1 BGB) als ordentliche Dorm eines Testamentes die eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung des letzten Willens durch den Erblasser gefordert» Dieser Regelung gegenüber enthielten jedoch das Gesetz über die freiwillige Gerichtsbarkeit und andere Rechtsangelegenheiten in der Wehrmacht (Wehrm FGG) vom 24» April 1934 (RGBl I 335) und die fünfte Verordnung zux' Ergänzung dieses Gesetzes vom 6» September 1943 (BGBl I 537) wesentliche F o r mer1e i cht e r ungen. Das Berufungsgericht erwähnt zwar, daß die Zeugin nach ihrer Aussage ein mit "Frits unterschriebenes Schriftstück gesehen habe, welches eine letztwillige Verfügung zugunsten der Klägerin enthalten habe* Es hat jedoch offen gelassen, ob diese Aussage richtig ist und ob die bezeugte Unterschrift tatsächlich vom Erblasser selbst vollzogen worden ist* Auch ist nicht festgestellt, ob - wie es nach § 3 a Abs. 1 Wehrrn f'GG- erforderlich wäre das etwaige Testament den letzten Willen des Erblassers zuverlässig wiedergibt und ob die Zeugenaussagen die Annahme rechtfertigen, dieses Testament habe tatsächlich die Einsetzung der Klägerin zur Alleinerbin enthaltene Dem Beklagten ist zuzugeben, daß die Beweis!ast für das Vorliegen dieser Umstände die Klägerin trifft, und daß die Klage keinen Erfolg haben kann, wenn dieser Beweis nicht erbracht wird» Weiter ist richtig, daß das Revisionsgericht bei seiner Beurteilung des streitigen Rechtsverhältnisses von den tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichtes und, wenn solche fehlen, von dem Parteivertrag im Berufungsrechtszug auszugehen hat* Insbesondere ist in der Bevisionsinstanz eine bestrittene Tatsache, deren Richtigkeit das Berufungsgei*ioht nicht feotgestellt hat, zu lasten der beweispflichtigen Partei als nicht gegeben anzusehen, falls keine Verfahrensrügen erhoben sind (§ 561 ZPO)* Dies gilt grund sät zlich auch insoweit, als nach § 563 ZPO darüber zu befinden ist, ob eine Entscheidung, deren Gründe eine Gesetzesverletzung ergeben, sich aus anderen Gründen als richtig darstellto Dies kann jedoch den Erfolg der Revision nicht hindern, weil hier folgendes zu beachten ist: Aufnahme und Würdigung der von den Parteien angebotenen Beweise sind hier von der rechtsirrtumlichen Auffassung des Berufungsgerichtes beeinflußt, daß ein rechtsgültiges Testament des Erblassers nur vorliegen könne, wenn es von diesem eigenhändig geschrieben und unterschrieben seio Es ist nicht auszuschließen, daß das Berufungsgericht bei Beachtung des § 3 a Wehrra EGG zur Feststellung eines Sachverhaltes gelangt wäre, aus welchem sieh das Vorliegen eines gültigen Testamentes zugunsten der Klägerin ergeben hätte» Die Klägerin hatte nicht nur vorgetragen und unter Beweis gestellt, daß ein eigenhändig geschriebenes und unterschriebenes Testament des Erblassers Vorgelegen habe, durch welches sie zur Alleinerbin eingesetzt worden sei» Die Beweisaufnahme hatte auch Anhaltspunkte für die Errichtung eines gültigen Milltärtestaments ergeben; diese hatte die Klägerin sich erkennbar - stillschweigend - in Erweiterung ihres ursprünglichen Vortrages zu eigen gemacht, soweit sie für sie günstig waren. ein Militariestament nach § 3 Abs» 5 Wehrm FGG seine Gültigkeit grundsätzlich mit Ablauf eines Jahres nach dem Tage, mit dem für den Erblasser das mobile Verhältnis aufgehört hat» Aus dieser Bestimmung können jedoch rechtliche Bedenken gegen den Bestand des von Friedrich etwa errichteten Testamentes nicht hergeleitet werden<> Dabei kann dahingestellt bleiben, ob und gegebenenfalls wann für Friedrich das mobile Verhältnis beendet worden ist» Entscheidend ist vielmehr, daß dies erst zu einer Zeit geschehen sein kann, als sich der Erblasser schon in Kriegsgefangenschaft befand, und daß der Erblasser in der Gefangenschaft gestorben ist» Vor Ende der Kriegsgefangenschaft lief die Frist des § 3 Abs» 5 Wehrm FGG nicht: Die dabei angeordnete entsprechende Anwendung des § 3 Abs» 5 bedeutet, daß die dort behandelte Jahresfrist bei Mil1tärtestamenten von Kriegsgefangenen mit Ablauf des Tages beginnt, an welchem der Erblasser aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde» Dies kann nicht nur dann gelten, wenn das Testament bereits während der Kriegsgefangenschaft errichtet wurde» Die Entlassung aus Kriegsgefangenschaft ist für den Fristbeginn des § 3 Abs» 5 fehrm FGG auch dann maßgebend, wenn das Testament während des mobilen Verhältnisses errichtet worden ist und der Erblasser sich bei Beendigung dieses Verhältnisses in Kriegsgefangenschaft befunden hat» Durch § 3 Abs» 5 Wehrm FGG soll der Erblasser, welcher von der vereinfachten Form eines Militariestamentes Gebrauch gemacht hat, innerhalb einer bestimmten. - nach seinem Willen - zui* Errichtung eines Testamentes in ordentlicher Form veranlaßt werden, sobald für ihn die besonderen äußeren Umstände entfallen sind, welche zu einer vereinfachten Testamentsform Anlaß gegeben habeno Biese Umstände bestehen fort, solange sich der Erblasser nach Beendigung seines mobilen Verhältnisses noch in Kriegsgefangenschaft befindeto nichts anderes gilt, warnt - wie möglicherweise hier -das Militärtestament unter Ausnutzung der durch § 3 a Wehrm FGG gebotenen Formerleichterungen errichtet worden ist. Die Richtigkeit dieser Auffassung bedarf hier Jedoch keiner Erörterung, sie würde nur zu dem Ergebnis führen, daß Militärtestamente, welche von kriegsgef an genen Beutsehen außerhalb des mobilen Verhältnisses während der Kriegsgefangenschaft in der Form des § 3 i Wehrm FGG errichtet wurden, der Gültigkeit entbehren. c) Ein vom Erblasser etwa errichtetes gültiges Militärtestament hätte seine Rechtswirksamkeit schließlich nach den bisherigen Feststellungen auch nicht dadurch verloren, daß Friedrich nach Aussage des Zeugen während der Kriegsgefangenschaft ein weiteres Testament in Form eines Briefes errichtet, dieses später jedoch wieder vernichtet hat* lie Errichtung dieses späteren Testamentes hätte das von der Klägerin behauptete frühere Testament nach § 33 Abs* 1 TestG, (jetzt § 2254 BGB) oder § 36 Abs* 1 Teste ( jetzt § 2258 Abs. 1 BGB) nur aufgehoben, wenn und soweit die in Kriegsgefangenechaft errichtete letztwillige Verfügung einen widerruf des früheren Testamentes enthalten oder mit diesem in Widerspruch gestanden hätte* Hierfür sind jedoch bisher keine Anhaltspunkte gegeben«. Die Vernichtung des späteren Testamentes hätte auch dann, wenn man der Auffassung des Berufungsgerichtes folgt, daß die durch § 33 Abs* 2 s* 2 TestG (jetzt § 2255 Satz 2 BGB) begründete Vermutung der Aufhebungsabsicht nicht zu widerlegen sei, den Bestand eines früheren Testamentes unberührt gelassen, her Widerruf eines Testamentes durch schlüssige Handlung (§ 33 Abs* 2 TestG, § 2255 BGB) beschränkt sich grundsätzlich auf die letzt-willige Verfügung, welche in der vernichteten oder veränderten Testamentsurkunde selbst enthalten ist* Ob der Widerruf einer letztwilligen Verfügung, welche der Erblasser in mehreren Testamentsurschriften niedergelegt hat, durch Vernichtung oder Veränderung, nur einer dieser Urschriften erfolgen kann, und ob dies gegebenenfalls auch dann gelten würde, wenn es sich - wie hier - um Das Berufungsgericht wird in der weiteren Verhandlung zu prüfen haben, ob mit einer für die Bildung der richterlichen Überzeugung erforderlichen Sicherheit festzustellen ist, daß Friedrich ein Testament des von der Klägerin behaupteten Inhalts wenigstens in der Form des § 3 a Wehrm FGG hinterlassen hat. Das Berufungsgericht wird weiter zu klären haben, ob sich - neben den sonstigen Voraussetzungen des § 3 a Wehrm FGG - der gesamte Inhalt des Testamentes so zuverlässig ermitteln läßt, daß daraus die Einsetzung der Klägerin zui% Alleinerbin des Erblassers entnommen werden * kann. Sollte die Errichtung eines gültigen Militärtestamentes zugunsten der Klägerin im Dezember 19’43 nicht festzustellen während seiner Kriegsgefangenschaft ein entsprechendes lestament errichtet hat und welchen Inhalt dieses Testament hatte; möglicherweise enthielt es nur eine Bestätigung früherer Erklärungen«, Zwar 1st dieses Testament von ihm wieder vernichtet worden, doch bedarf es erneuter Prüfung, ob nicht hier die Vermutung des § 33 Abs«, 2 S« 2 Teste (§ 2235 So 2 BGB) durch die äußeren Umstände widerlegt erscheint, wofür vieläs spricht„ selbst wenn das Oberlandesgericht einen Widerruf annitnmt, ist dessen Umfang unter Beachtung des § 2257 BGB genauer zu klären»