BGH · III ZR 109/60 vom 12.10.1961
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$ Satz 1 des nachträglich in Kraft getretenen Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes fallen, so wird von der letzteren Vorschrift auch eine Forderung erfaßt, die darauf gestützt ist, die Gemeinde habe die ihr in den Entscheidungen der Verwaltungsbehörde auferlegten VergUtunga- und Entschädigungsbeträge nicht rechtzeitig geleistet. Oktober 1961 unter Mitwirkung der Bundesrichter Br« Kreft, Br« Arndt, Br« Beyer, Br« Hußla und Gähtgens für Recht erkannt Bie Revision* des Klägers gegen das Urteil des 1. Die Beklagte hat um Abweisung der Klage gebeten« Sie hat sich damit verteidigt» der Regierungspräsident habe mit seinen Bescheiden über alle Ansprüche des Klägers aus der Inanspruchnahme entschieden; etwaige weitere Ansprüche spien zudem verspätet angemeldet» überdies verjährt und außerdem gemäß dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz vom 5* November 1957 - AKO - erloschen« Das Landgericht hat die Klage insoweit wegen Verjährung abgewiesen, als mit ihr erhöhte Instandsetzungskosten verlangt worden waren, und hat im übrigen den Rechtsstreit gemäß dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz für erledigt erklärt* Wenn die von Fliegerschäden schwer betroffene Beklagte die dem Kläger gehörenden Räume zur Unterbringung von bei einem Luftangriff obdachlos gewordenen Personen beschlagnahmte und in Anspruch nahm» so dienten ihre Maßnahmen der Beseitigung eines kriegsbedingten Notstandes und stellten Maßnahmen dar, die die Kraft einer Gemeinde überstiegen, außerhalb ihrer normalen Verwaltungsaufgabe lagen und an sich als eine nur durch die Mittel einer Zentralgewalt zu bewältigende Aufgabe dem Reich zufielen« Die Anwendbarkeit des § 2 Ziff« 4 AKG beschränkt sich nicht etwa auf Ma6nahmen9 die eine Gemeinde "anstelle des* funktionsun-fähig gewordenen Reiches", d.h. in der Zeit nach dem deutschen Zusammenbruch getroffen hat; die Vorschrift verlangt insoweit nur, daß die Gemeinde dem Gegenstand der zu erledigenden Aufgabe nach eine.Aufgabe des Reiches an dessen Stelle , "im Rahmen dem Reich obliegender Verwaltungsauf gaben" .wahrgenommen hat (vgl« hierzu Urt« vom 27« Januar I960 V ZR 128/58 in IM AKG § 2 $Fr« 6)« Die Revision will aber entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts den vom Kläger aus dem Gesichtspunkt des Verzuges abgeleiteten Anspruch auf Ersatz erhöhter Instandsetzungskosten deshalb von dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz ausgenommen sehen, weil die vom Regierungspräsidenten erlassenen Bescheide, wenn sie nicht mit der Klage angefochten würden, wie rechtskräftige Urteile eines Zivilgerichts rechtskräftige Vollstreckungstitel seien und damit die bisherigen Ansprüche auf eine ganz neue Grundlage gestellt hätten« Dem kann indessen nicht gefolgt werden« Auch der vom Kläger geltend gemachte Anspruch auf Ersatz von Verzugsschäden, wie ihn § 286 Abs« 1 BGB im Anwendungsbereich dieses Gesetzes unmittelbar regelt, wurzelt letzten Endes in der Inanspruchnahme der dem Kläger gehörenden Räume (vgl« RGZ 111, 102; BGH MDR 1955, 462), ebenso wie dies die Ansprüche des Klägers auf Vergütung und Entschädigung aus § 26 RLG tun« Er geht seinem Ursprung nach gleich den anderen Klagansprüchen auf Maßnahmen zurück, die die Beklagte, wie dies § 2 Ziff« 4 AKG in zeitlicher Hinsicht erfordert und genügen läßt, vor dem 1« August 1945 getrof- fen hat* Seine Abhängigkeit von den Ansprüchen des Klägers auf Vergütung und Entschädigung zeigt sich augenfällig schon bei der allgemeinen Überlegung, daß der dann nicht mehr anwachsen könnte, v/enn das Allgemeine Kriegsfolgengesotz die Ansprüche, aus deren verspäteter Erfüllung der Kläger einen Verzugsschaden herleitet, zu dem Erlöschen gebracht hat. August 1945 getroffen worden sind die Schäden können dagegen nach diesem Zeitpunkt und erst durch Hinzutreten weiterer Umstände eintreten, wenn sie nur, wie auch das Berufungsgericht annimmt, in adäquat ursächlichem Zusammenhang mit den ursprünglichen Maßnahmen stehen (so außer IM AKG § 2 Nr» 2 auch Urteile vom 28. 2« Sind sonach sämtliche Klageansprüche, wie auch das angefochtene Urteil meint, vom Allgemeinen Kriegsfolgengesetz erfaßt, so wird die vom Berufungsgericht als zweifelhaft bezeichnete und zu dem Anlaß für die Zulassung der Revision genommene Frage bedeutsam, ob in dem gegenwärtigen Rechtsstreit über eine ausnahmsweise bestehende Verpflichtung der Beklagten, die vom Gesetz erfaßten Ansprüche zu erfüllen entschieden werden kann» Biese Frage ist mit dem Berufungsgericht und entgegen der Revision zu verneinen• Ein vom Allgemeinen Kriegsfolgengesetz erfaßter Anspruch bedarf, wenn der Anspruchsinhaber ihn weiter verfolgen will, nach näherer Maßgabe von § 26 ff des Gesetzes der Anmeldung und kann im Klageweg nur weiter verfolgt werden, wenn zuvor die Anmeldebehörde seine Erfüllung gemäß § 29 des Gesetzes abgelehnt hat« Fehlt es hieran, so muß, wenn eine oder jede Partei die bereits anhängige Klage weiter betreibt, die Hauptsache für erledigt erklärt werden« Allerdings kann, wie der Bundesgerichtshof und auch der erkennende Senat anerkannt haben, in den Prozeßhandlungen der Parteien unter Umständen eine An- in den Vordergrund gerückt, daß die Voraussetzungen des § 2 Ziff« 4 AKG nicht vorlägen, und erst in zweiter Linie geltend gemacht (vgl« Schriftsatz vom 28« März I960 Bl« 2), die Klagansprüche seien im Hinblick auf § 2 Ziff« 4 Satz 2 AKG nicht erloschen, "im übrigen” sei aber bereits dargelegt, daß die Voraussetzungen von § 2 Ziff« 4 nicht gegeben seien« Mehr beiläufig hat er auf Bl« 3 des letztgenannten Schriftsatzes darauf verwiesen, daß das Erstgericht bei seiner Auffassung, Schuldner einer Nutzungsentschädigung im Sinne von § 11 AKG könne nach § 25 AKG allein der Bund sein, den Absatz 4 dieser Bestimmung übersehen habe« Der Kläger hat also vor allem vorgetragen, seine Ansprüche fielen nicht unter das Allgemeine Kriegsfolgengesetz, während eine Anmeldung nach diesem Gesetz gerade voraussetzt, daß die Ansprüche von ihm erfaßt werden« Die Beklagte hat im Berufungsrechtszug nicht etwa die Abweisung der Klageansprüche, etwa weil sie nicht zu erfüllen seien, beantragt, sondern die Zurückweisung der klägerischen Berufung erbeten, die sich in ihrem wesentlichen feil dagegen richtete, daß das Erstgericht den Hechtsstreit in der Hauptsache mit Ausnahme von 60,— DM wegen des Eingreifens von § 2 Ziff« 4 Satz 1 AKG für erledigt erklärt hatte« In der Berufungserwiderung hat sie unter Berufung auf die Gründe des Erstgerichts die Ent-schädigungsforderungen des Klägers als nach dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz erloschen bezeichnet«' An der in Bezug genommenen Stelle befaßt sich das erstgerichtliche Urteil mit der Anwendbarkeit des § 2 Ziff« 4 AKG auf die Klage,, um anschließend fortzufahren, der Klagantrag könne nicht als ein Antrag auf eine nach § 11 des Gesetzes zu leistende NutzungsentSchädigung angesehen werden« Dieses Prozeßverhalten kann nicht eindeutig als die Ablehnung einer Erfüllung im Sinne von § 29 AKG gewertet werden. Ein Anmeldeverfahren kann mm derart nachgeholt werden, daß die Anmeldung während eines Rechtsstreits vorge-nommen und der Ablehnungsbescheid spätestens bis zur Schlußverhandlung des Gerichts vorgelegt wird* Die Revision verweist auf diese Möglichkeit und führt aus, das Berufungsgericht hätte gemäß § 139 ZPO den Kläger nach dem Vorliegen einer Anmeldung oder Ablehnung .fragen sollen, der Kläger hätte dann vorgetragen, daß er nach einem Hinweis im erstger.ichtlichen Urteil seine Ansprüche noch im Jahre 1999 sowohl bei der Beklagten als auch beim Bund angemeldet habe, das Berufungsgericht hätte daraufhin, wenn es den von der Beklagten aufrechterhaltenen Klagabweisungsantrag nicht als Ablehnung oder Anmeldung hätte behändoln wollen, das Verfahren nach §148 ZPO aussetzen müssen« Bas. Berufungsgericht könnte annehmen, daß der Kläger gute Gründe zu haben glaubte (etwa der Anspruch fiele überhaupt nicht unter das AKG), wenn er den von der Revision vermißten Vortrag unterließ* Fehlte es aber an einem entsprechenden Vortrag, so ist für das Berufungsgericht kein Anlaß gegeben gewesen, von der in seinem Ermessen stehenden Befugnis des § 148 ZPO Gebrauch zu machen«