BGH · III ZR 108/64 vom 11.03.1964
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 31» Mai 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Pagendarm sowie der Bundesrichter Dr. Arndt, Br. Beyer, Dr. Hußla und Keßler für Hecht erkannt: Juli 1962 - III ZR 45/61 -verwieseno Das Landgericht hat die Klage abgewiesen« Das Berufungsgericht hat die Berufung der Klägerin zurückgewiesen o Auf deren Bevision ist das Berufungsurteil durch das genannte urteil des Bundesgerichtshofs aufgehoben und die Sache an das Berufungsgericht zurückverwiesen worden« Das Berufungsgericht hat die Berufung der Klägerin wiederum zurüekgewiesen« Mit ihrer neuen Revision verfolgt die Klägerin ihren Klageantrag weiter« Der Beklagte bittet, das Rechtsmittel zurückzuweisen« 1« Der erkennende Senat hat das erste Berufungsurteil aufgehoben, weil er im Gegensatz zu dem Berufungsgericht davon au3ging, daß dem Bayerischen Landesamt- für Vermögensverwaltung und Vermögenskontrolle Amtspflichten gegenüber der Klägerin obgelegen haben könnten« Zu den Einwendungen und Einreden des Beklagten hat er nicht abschließend Stellung nehmen können, weil das Berufungsgericht, von seinem Standpunkt aus folgerichtig, die erforderlichen tatsächlichen Feststellungen nicht getroffen hatte« In seinem neuen Urteil hat das Berufungsge^ rieht ausgeführt, daß der Klage zugrundeliegende Hechts^ geschäft sei wegen Verstoßes gegen das Militärregierungsgesetz Nro 52 Arto V nichtig, irn übrigen seien etwaige Hechte der Klägerin dadurch untergegangen, daß die amerikanische Besatzungsmacht das Kupfer als Beutegut beschlagnahmt und behandelt habe; endlich hätten auch die Bediensteten der Beklagten nicht gegen ihnen gegenüber der Klägerin obliegende Amtspflichten verstoßen«, 2o Die Angriffe der Revision bleiben ohne Erfolge Die Ansicht des Berufungsgerichts^ das von der Klägerin mit der geschlossene Rechtsgeschäft sei nichtig, weil es gegen Art V (7) des Militärregierungsgesetzes Nr. 52 verstoße, beruht nicht auf Rechtsverstou<• Geschäfte sind nach dieser Bestimmung unter anderem darn nichtig, wenn sie in der Absicht geschlossen sind? schlossenen Geschäftes gewesen, Beichsvermögen zu "privatisieren”, um es damit dem Zugriff der Alliierten zu entziehen, trägt die rechtliche Folgerung, das Geschäft sei abgeschlossen, um die Befugnisse der Militärregierung zu vereiteln oder zu umgehen; darauf, ob die Beteiligten sich Vorstellungen Uber die näheren Umstande der künftigen Entwicklung gemacht haben, kommt es entgegen der Ansicht der Revision nicht an, vielmehr darauf, ob der Zugriff der Alliierten auf die dem Reiche gehörigen, mindestens in erster Linie für Kriegszwecke angesammelten Metallager zu erwarten war und von den Beteilig ten erwartet wurde« Las war nach den Feststellungen des Berufungsurteils der Fall* Las Berufungsgericht hat nicht, wie die Revision meint, ubersehen, daß die Nichtigkeit des| Geschäftes nach Art« 5 MRG Nr«. 52 nur eintritt, wenn die Absicht der Vereitelung oder Umgehung bei beiden Vertragspartnern Vorgelegen hat (BGH IM Nr« 2 zu MRG 52) = Las Berufungsgericht stützt seine Feststellung über die Absichten der Vertragspartner unter anderem auf die Aussage des Zeugen der seinerzeit Vorstands- mitglied der* Klägerin wax', und diese Feststellung bezieht sich offensichtlich auf beide Vertragsteileo Las Berufungsgericht ist zu seiner.Feststellung nicht, wie die Revision meint, auf Grund von Rechtsfehlern gelangt« Auch die Vertreter der Klägerin rechneten, wie die Revision nicht anzweifelt, mit dem bevorstehenden Zusammenbruch des Reiches una nach den Feststellungen des Berufungsgerichts mit dem Zugriff der Alliierten auf die Metallager des Reichs« Ihr vom deutschen Standpunkte aus durchaus zu billigendes Ziel? Die Revision trägt weiter vor, di* Klägerin habe Dp» dafür als Zeugen benannt, daß die genauen Ziele und Absichten der Militärregierung der Klägerin nicht bekannt gewesen seien, daß zwar zu erwarten gewesen sei, daß die Militärregierung Maßnahmen mißbilligen würde, oie der ^ufrechterhaltung der Rüstungsproduktion dienten, daß auch damit zu rechnen gewesen sei, daß Verträge beanstandet würden, welche die Überführung von Eigentum der IISDAP oder des Deutschen Reiches in private Hand zu dem Gegenstand hatten, daß es jedoch nicht das Ziel der Militärregierung habe sein Können, die Produktion lebenswichtiger Güter der Friedenswirtschaft zu verhindern und völlig lahm zu legen, da(5 beide Partner aes Vertrages vom 9* April 1945 sich nicht von Absichten hätten leiten lassen, die auf eine Vereitelung der Aufgaben der zukünftigen Militärregierung hinausliefen und daß die Xlägezün auch Zweigbetriebf.östlich der Elbe in gleicher V.eise wie ihre westlich gelegenen Mferke durch Einkäufe von Rohstoffen für die künftige Friedenswirtschaft versorgt habe» schlossenen Geschäfts dazu führen mußte, dem von allen Beteiligten befürchteten Zugriff des Feindes Material zu entziehen, das vom Reich - noch dazu mindestens in erster Linie für kriegswichtige Zwecke-angesammelt worden war» Daß mit der Beanstandung von Vorträgen zu rechnen war, die die Überführung von Eigentum des Deutschen Beiches in Privathand zu dem Gegenstände hatten, räumt die Klägerin in ihren Beweisangeboten selbst ein* Eben diesen Zweck aber hatte ihr Vertrag mit der Unter diesen Umständen stellt der durch den Zeugen Dr« unter Beweis gestellte Vortrag, beide Partner des Vertrages vom 9« April 1945 hätten sich nicht von Absichten leiten lassen, die auf eine Vereitelung der Aufgaben der zukünftigen Militärregierung hinausliefen, keine hinreichend substantiierten Tatsachenbehauptung dar, sondern gibt die Hechtsauffassung der Klägerin wieder, daß im Hinblick auf den von ihr mit dem Geschäfte verfolgten Zweck eine Vereitelungs- oder Umgehungsabsicht im Pinne des Art, 5 MRG Nr« 52 nicht vorliegeo Daß diese Ansicht nicht zutrifft, ist bereits oben ausgeführt; Das Ziel, die Kupfervorräte lur die zukünftige Friedenswirtschaft zu reiten, schloß, so berechtigt es war, die Absicht, sie dem Zigriff der Alliierten zu entziehen, nicht aus; rs konnte vielmehr nur erreicht werden, v/enn der befürchtete Zugriff vereitelt wurde« Es kann unter diesen Umständen auch nicht darauf ankommen, ob die Klägerin seinerzeit auch für ihre Werke östlich der Elbe Mate dialien in gleicher Zeise erworben hat wie hier von der Damit erweisen sich die Angriffe als unbegründet, mit denen die Revision die Ansicht des Berufungsgerichts angreift, das zwischen der Roges und der Klägerin im April 1945 geschlossene Rechtsgeschäft sei nach Art* V MRG Nr« 52 nichtige Danach hat die Klägerin weder Eigentum an den Kupfervorräten noch dingliche oder obligator!»