BGH · GSSt 1/55
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
h) Wehn der Zeuge in demselben Recht z u g zunächst uneidlich vorsätzlich falsch aussagt und in einem späteren Termin die Aussage mit dem Eide bekräftigt., so geht die un-eidliche falsche Aussage im Meineide aufo Der Zeuge ist nur wegen eines .Verbrechens des Meineides zu bestrafen«, Bas gilt auch dann, wenn der Zeuge, ehe er schwört, die in einem früheren Termin gemachten unwahren Angaben durch andere unwahre Angaben ersetzt, oder wenn er zu mehreren Beweisthemen jeweils abschließend vernommen wird, zu jedem Thema die Unwahrheit bekundet und diese Aussagen schließlich beschwört, c) Wern der Zeuge die im ersten Rechtszug uneidlich gemachte Aussage im zweiten Rechtszug wiederholt und beschwört, so liegen zwei selbständige Straftaten nach §§ 155 und l||54 StGB oder ein fortgesetzter Meineid vor© Dasselbe gilt, wenn einem Meineide, in demselben oder im nächsten Rechtszuge eine uneidliche vorsätzliche falsche Aussage folgt. d) Bei mehreren uneidlichen vorsätzlichen falschen Aussagen, die der Zeuge in einem oder in mehreren Rechtszügen macht, liegen je nach dem Vorsatz entweder mehrere selbständige Vergehen oder ein fortgesetztes Vergehen nach § 153 StGB vöfo \ 2c Gesetz* StGB § 157 Hechtssatz § Wenn in demselben Reehtszug der Zeuge seine falsche Aussage beschwört, um von sich die Gefahr einer gerichtlichen Bestrafung wegen der dem Eide zugrunde liegenden Raischaussage abzuwenden, ist auf die Bestrafung wegen des begangenen Meineides § 157 StGB nicht anwendbar. io Wenn der Zeuge in demselben Bechtszug zunächst uneidlich vorsätzlich falsch aussagt und in einem späteren Termin die Aussage mit dem Eide bekräf-. tigt9 so geht die uneidliche falsche Aussage im Meineid auf o Ber Zeuge ist nur wegen eines Ver~ um von sieh selbst die Gefahr einer gerichtlichen Bestrafung wegen der ‘dem Eide zugrunde liegenden Palsehaussage abzuwend en5 ist auf die Bestrafung wegen des begangenen Meineides § 157 StGB nicht anwendbare der in derselben Instanz zunächst uneidlich vorsätzlich falsch aussagt und in einem späteren Termin diese Aussage mit dem Eide bekräftigt, nur wegen eines Meineides zu bestrafen oder außerdem noch wegen eines gegenüber dem Meineide selbständigen Vergehens der uneidlichen vorsätzlichen falschen Aussage? 20 Kommt die Vorschrift des § 157 StdB in jedem Palle oder nur dann, wenn wegen zwei selbständiger Täten nach § 155 und. § 154 St dB bestraft wird* dem Täter zugute, der geltend macht, er habe die zunächst uneidlich erstattete falsche Aussage beschworen, um die befürchtete defahr einer gerichtlichen Bestrafung nach § 153 St dB von sich äijzu-wenden? der die uneidliche Falschaussage aufzehrt, oder Bestrafung wegen zwei in Tatmehrheit stehender Taten, eines Vergehens nach § 153, StGB und eines Meineides nach § 154 StGB» Die dritte Möglichkeit 5 daß die uneidliche Aussage und der Meineid bei dieser Sachlage im Fort set zungsZusammenhang st ehen und der Zeuge deshalb wegen eines fortgesetzten Meineides zu bestrafen ist, darf jedoch nicht von vornherein — ohne Prüfung — aus der Betrachtung ausgeschieden werden«. wenn auch - im Gegensatz 2u den Fällen der Tatmehrr-heit - auf G-rund eines sämtliche Tatbestandserfüllunger umfassenden Gesamtvorsatzes„ In der Hechtspreehung des Bundesgerichtshofs wurde allerdings bisher Fortsetzungszusammenhang zwischen den Straftaten der §§ 153 und 1.54 StGB als unmöglich angesehen«» Die vorgelegte Frage macht -es erforderlich/ auch diese Hechtsansicht zu üherprüf.en*, 1ö Strafsenat in BGHSt 1, 241 ausgesprochene Ansicht zugrunde, § 153 sei im Verhältnis zu § 154 nicht der Grund-tatbestand, der Meineid des Zeugen (und des Sachverständig • gen) sei .keine erschwerte Form der falschen Aussage, sondern ein eigengeartetes, selbständiges Delikt (delictum sui generis)«, Sie beruht auf der Auffassung, der besondere Unrechtsgehalt des -Meineides bestehe in der Verletzung der ■feierlichen Beteuerungsform, nicht in der Irreführung der Behördec Beim Meineid sei das falsche Schwören, nicht die falsche Aussage das strafbegründende fatbestandsmerkmal«, ' Die falsche Aussage sei zwar Voraussetzung des Meineides, aber nicht die eigentliche Tathandlung«, Die fathandluhg sei daher bei der uneidlichen Dalschaussage und beim Meineid nicht, gleichartige Daraus wurde geschlossen, daß zwischen uneidlicher Palschaussage und Meineid Portsetzungs-Zusammenhang nicht bestehen könne, weder wenn die falsche Aussage in einem späteren fermin desselben Bechtszuges beschworen wird (BGH 5 StB 418/52 und 5 StR 421/52, beide vom 13o November 1952) , noch wenn, die im ersten Rechts-zug uneidlich erstattete falsche Aussage im zweiten Rechtszug eidlich oder umgekehrt.die im ersten Rechtszug eidlich erstattete Aussage im zweiten Rechtszug uneidlich wiederholt wird (BGHSt 1, 380.; 2o In der Präge, wann bei späterer Beeidigung der vorerst uneidlich erstatteten falschen Aussage nur ein Meineid und wann zwei selbständige Delikte nach § 153 und nach §154 anzunehmen sind, wurde von den Senaten bis zu der Entscheidung des 3o Senats BGHSt 5? Hier ist die Aussage erst mit deren Beeidigung abgeschlossene Aussage .und Eidesleistung bilden eine Einheit 0 Bas kann auch der Ball sein«, wenn der Zeuge zu demselben Gegenstand in mehreren Terminen vernommen wird und erst im letzten Termin schwört 0 Ben: es ist sehr wohl möglich, daß eine Vernehmung sich über me! rere Termine erstreckte Die Vernehmung ist erst dann beendet» wenn der Richter zu erkennen gegeben hat, daß er von dem Zeugen keine weitere Auskunft über den Vernehmungsgege: stand erwartet, und der Zeuge, daß er seinerseits nichts mehr zu bekunden hat und das bisher Bekundete als seine verantwortliche Aussage gelten lassen will (so bereits EG-,St 23, 86 bei der Frage, wann der in der Form des Vor-eide.s begangene Meineid vollendet ist),0 Geschieht dies erst im letzten von mehreren Vernehmungsterminen, so liegt nur e i n e einheitliche Vernehmung und nur e i n e Aiissage vor0 Beschwört der Zeuge die Aussage in diesem letzten Termin im unmittelbaren Anschluß an= die Vernehmung5 so. ein Meineid voi Ist dagegen die Vernehmung im ersten Termin, beendet worden, ohne daß der Zeuge seine unwahre Aussage beeidet hat, und wiederholt und beschwört er sie hei erneuter Vernehmung in einem späteren Termin, so stehen die Zuwiderhandlungen gegen §§ 153 und 154 StGB in Tatmehrheit0 Ber Zeu ge ist wegen eines Vergehens nach § 153 und wegen eines Mei eides zu bestrafen0 b) Die Beurteilung der Frage, wann die uneidliche Vernehmung in diesem Sinne als abgeschlossen zu betrachten ist-, hängt von den Umstanden des einzelnen Falles ab und ist Sache des Tatrichterso Allgemein gültige Grundsätze lassen sich nicht aufstellen«, Wenn der Richter den Zeugen unbeeidigt entläßt, so wird dies im allgemeinen dafür sprechen, daß seine Vernehmung'in diesem Augenblick abgeschlossen ist* Es ist auch denkbar, daß eine abgeschlossene Aussage vorliegt, obwohl die Verhandlung fortgesetzt wird und der Z.euge dabei noch zugegen ist* Wenn er nochmal® vorgerufen wird und seihe frühere Aussage nunmehr beschwört, so können zwei selbständige Delikte nach § 153 und nach § 154 StGB vorliegen, obwohl uneidliche und eidliche Aussage in ein und demselben Termin gemacht worden sind,? Selbst die Entscheidungen BGHSt 4, 2-44 3c Strafsenat) und 4 StR 61/55 vom 12* Mai 1955 (= NJW 1955, 11X8) verlassen im Grundsätzlichen diese allgemeine Linie nicht0 Sie verwerfen zwar die Annahme des Tatrichters, es läj°*en zwei selbständige Delikte nach §§ 153 und 154 StG-B vor, begründen dies aber ihrerseits damit, die Abhörung des Zeugen in mehreren Terminen stelle eine einheitliche Vernehmung dar^ In BGrliSt 4, 244 hatte im Dienststrafverfahre der Zeuge sowohl im ersten wie im zweiten Termin sich geweigert, seine Aussage zu beschworen,. Im dritten Termin leist Site er den Eid, ohne sich zur Wahrheit zu bekennen«, In der vom 4o Strafsenat entschiedenen Sache war die Ver-nehmung des Zeugen nach Vertagung der Haupt Verhandlung na zwei Wochen im neuen Termin fortgesetzt worden«, Im neuen Termin wurde der Zeuge vereidigte Zeuge erst im letzten Termin seine A„ussage beschwört0 Beide Urteile bewegen sich zwar insofern im Halmen der bis herigen Rechtsprechung, als sie darauf abstellen, ob eine einheitliche Vernehmung vorliegt, die erst mit der Beeidl gung abgeschlossen wird, Indem sie jedoch für typische Fälle allgemein annebmen, daß die Aussage erst mit der Beeidigung im letzten Termin abgeschlossen ist, weichen sie von der bisherigen Bechtsprechung ab, die die Beurteilung dieser Frage von den Umständen des Binzelfalles ab-vattächte und dem Tat rieht er liberließo Der Fall, den der 3o Strafsenat jetzt zu entscheiden hat, ist ebenso geartet wie die Fälle, die den Urteilen BGHSt 5, 44 und 269 und 3 StB 177/53 zugrunde lagen» Der Senat begründet seine Ansicht, daß der Angeklagte nur wegen eines Meineides zu bestrafen sei., nunmehr jedoch damit, bei der Bestrafung der falschen Zeugenaussage, die innerhalb desselben Rechtszuges in mehreren Terminen erstattet und im letzten Termin beeidet wird, komme es nicht darauf ah, wann die Aussage "abgeschlossen" sei$ vielmehr ergebe sich aus dem Zusammenspiel der gesetzlichen Bestimmungen, daß nach dem Willen des Gesetzgebers in so gelagerten Fällen die Schuld der uneidlichen Falschaussage stets durch die Bestrafung des Meineids abgegolten sein solle0 Den Straftatbeständen der §§ 153 und ..154 StGB liegt das zu dem Schutze der Rechtspflege aufgesteilte.Verbot zugrunde, die Pest Stellung des Saehvexlialt s nicht durch unwahre .lus sagen zu gefährden* Die unwahre Aussage ist deshalb das die Strafbarkeit begründende Elemente Der Eid hat zwar, soweit er. reits mit dem Schluß der Bekundungen oder mit dem die Verve: i di gung anordnenden Beschluß (so noch 4 StR §18/51 vom 24« April 1§52) 9 sondern erst mit der Eidesleistung aöge--schlosseno Die falsche Aussage liegt abgeschlossen a3.s ein fertiges Ganzes vor, wenn der Zeuge zu dem Schwören anhebt P . Umfange vom Gesetzgeber keinesfalls geweilten Gebrauch machten0 Sinn und ^v/eck der Strafdrohung des § 153 ist es, den Wert der uneidlichen Aussage als Beweismittel zu sichern«,' Es bestand nur das Bedürfnis, diejenigen falschen Aussagen bestrafen zu können, die unbeeidigt bleiben und deshalb bis- die im.Schutz der Rechtspflege bestehen würde, falls, wie im bis 1-943 geltenden Recht, die falsche Aussage nur strafbar wäre, wenn sie beschworen wird, während uneidliche 4us<- der die uneidliche falsche Aussage allerdings straflos lassen wollte« § 153 ist sinngemäß nur auf unwahre Aussagen anzuwenden, die nicht beschworen werden und deshalb nicht unter den Meineidstatbestand fallen« . b) Ob der Zeuge zu demselben Gegenstand mehrfach - in demselben Termin oder in mehreren Terminen - vernommen wird* ob die mehrfache Vernehmung eine Einheit im Sinne der bisherigen Rechtsprechung'der Senate bildet oder nicht, hangt von der Gestaltung des Verfahrens ab« Sie wird durch das Verhalten der Prozeßbeteiligteno durch prozessuale Zweckmäßigkeit srücksichten .r und sonstige außerhalb der Tat liegende Umstände bestimmt« Deshalb würde es der Gerechtigkeit widersprechen, den Zeugen, der eine falsche Aussage mit dem Eide bekräftigt, je nach Gestaltung des Verfahrens nur wegen eines Verbrechens des Meineides oder außerdem wegen eines damit realkonkurrierenden oder im Port set zungs-zusammenhang stehenden Vergehens nach § 153 zu verurteilen.« Beide Gesichtspunkte (zu a) und b)) hat; der 5© Strafsenat schon im Urteil BGHSt 5, 44 /%!'/ zur Begründung seiner Auffassung mitverwertet, daß die vor dem ersuchten Richter • zunächst uneidlich erstattete Aussage im Meineid aufgeht, wenn der Zeuge sie auf Anordnung des Prozeßgerichts in einem neuen Termin beschwört:« . das Delikt der uneidlichen falschen Aussage im Meineid auf© Dabei ist es gleichgültige ob die falsche Aussage in ein und demselben Termin oder in verschiedenen Terminen geleistet und beschworen wird? d e m s e 1 b e n R e c h t s z u g e mit dem Bide bekräftigt wird* Wiederholt und beschwört der Zeuge im zweiten Hechtszuge die im ersten uneidlich erstattete falsche Aussage? daß er seinerseits nichts mehr bekunden und das bisher Bekundete als seine verantwortliche Aussage gelten lassen will0 Berichtigt der Zeuge bis zu diesem Zeitpunkt die unwahre Aussage? nach § 153 StGB nicht vollendet«, Der Versuch ist nicht strafbar <> Nach diesem Zeitpunkt hat die Berichtigung nur die Folge, daß § 158 StGB zur Anwendung kommt* Diese Grundsätze gelten auch dann, wenn der Zeuge, Bevor er den Eid leistet, die unwahren Angaben berichtigt und nunmehr eine wahr e Aussage beschwört*In diesem Falle wird die falsche Aussage eben nicht durch einen sie bekräftigenden Meineid aufgezehrt * Wenn beispielsweise der Zeuge, der auf seine falsche Aussage beeidigt wird, die Eidesformel nicht zu Ende spricht,, Ständern, weil ihm sein Gewissen schlägt, im Schwören innehält und nunmehr der Wahrheit die Ehre gibt, so ist er zwar vom Versuch des Meineides zurüekge-treten«, Das bereits mit dem Beginn der Eidesleistung vollendete Vergehen der uneidlichen falschen Aussage wird dadurch aber nicht beseitigte Es bleibt nach § 153 strafbar0 Das ergibt sich nach § 46 Abs 2 StGB als Folge des Umstandes, daß der Gesetzgeber die uneidliche falsche Aussage zur strafbaren Handlung gemacht hat0 Eine Härte ist darin nicht zu finden«, Denn § 158 gibt dem Richter die Befugnis, unter den daselbst bestimmten Voraussetzungen nicht nur die Strafe zu mildern, sondern sogar ganz von Strafe ab zu sehen«, Rechtspolitisch besteht kein zwingender. Mag der eine Zeuge um so leichter zu dem Widerruf veranlaßt werden, je gewisser ihm Straflosigkeit winkt, so darf nicht übersehen werden, daß der andere sich leichter zur falschen Aussage entschließen wird, wenn er weiß, daß er die Strafbarkeit durch rechtzeitigen Widerruf beseitigen kann und deshalb mit der unwahren Bekundung kein großes Risiko eingeht* Bei uneidlicher Abhörung in mehreren Terminen können je nach dem, ob die Vernehmung in jedem der einzelnen Ter-.mine beendet wird oder sich als Einheit über die sämtlichen. Wenn im letzten Falle der Zeuge im späteren Termin der Wahrheit die Ehre gibt, ehe Vernehmung und Aussage abgeschlossen sind9 haben die vorangegangenen unwahren Bekundungen für die Anwendung des § 155 StGB keine strafrechtliche Bedeutung^ weil es. nicht zur Vollendung des Deliktes gekommen isto Mit dem Schluß der Verhandlung im jeweiligen Rechtszug ist die Vernehmung spätestens beendet und die uneidliche Aussage abgeschlossene ff. • lo Bis zur Neufassung durch die VO vom 29e Mai 1945 war § 157 nur anwendbar , wenn die Angabe der Wahrheit für den Zeugen o b j e k t i v die Gefahr strafrechtlicher Verfolgung wegen eines Verbrechens oder Vergehens hervor-riefo Es war nicht erforderlich, daß der Zeuge die Gefahr kannteo Die irrige Annahme, die Gefahr mit der Angabe der Für die Anwendung des § 157 a0F« hat das Reichsgericht den Grundsatz aufgestellt, daß $0 Tat, deretwegen strafrechtliche Verfolgung hei Angabe der Wahrheit droht «Vortat1’) , v © r der unwahren Aussage begangen sein muß, daß somit der Tatbestand, der Bestrafung nach sich ziehen kann, nicht erst durch die unwahre Aussage seihst begründet sein darf (HGSt 62, 211)0 Der Angeklagte konnte sich also nicht darauf berufen, er habe die falsche Aus-saga beschworen, weil er sich mit ihr der Verleumdung oder der Begünstigung schuldig gemacht habe« Das ergab sich unmittelbar aus dem Wortlaut des Gesetzes« Voraussetzung für die Strafmilderung sollte danach sein, daß sich der Zeuge bei der Erstattung der A u ss a ge in der Zwangslage befinde« 2 StR 154/53 vom 3c Juli 1953s 5 StR 259/52 vom 6o März 1952)« § 157 ist auch dann anzuwenden, wenn der Zeuge nur irrtümlich eine solche Gefahr angenommen hat (BGH 3 StR 294/52 vom 3« Juli 1952 s RGSt 77', 219 /?227)« ■ * ■ . Senat im Vorlegungsbeschluß - unter Aufgabe der in BGHSt 5, 269 vertretenen gegenteilig gen Meinung - ab9 auch wenn die Aussage erst nach Wiederholung in einem späteren Termin abgeschlossen und beeidet wbrde* müsse dem Zeugen § 157 StGB zugute kommen* wenn er geglaubt habe* sich durch die im früheren Termin uneidlich erstattete falsche Aussage bereits strafbar gemacht zu haben* und deshalb für den Rail der Berichtigung Bestrafung .befürchtet habe© Im VorlegungsbeSchluß wird dazu ausgeführt* dem stehe nicht entgegen* daß die im ersten Termin abgegebene uneidliche Palschaussage Im Meineide aufgehe und daher’nicht selbständig strafbar sei? Die Vorschrift des § 157 StGB soll demnach auch-dann eingreifen* wenn die in den mehreren Terminen gemachten Bekundungen eine einheitliche Aussage bilden* obwohl hier nur eine Straftat vor-liegt und es dem Zeugen freistehts durch Berichtigung Vor der Beeidigung das Vergehen des § 153 StGB nicht zur Vollendung kommen zu lassen und die Grenze des Strafbaren nicht zu überschreit en o.Da es allein auf die Vorstellung ankommt * die der Zeuge über die Strafbarkeit seines dem Schwur Vorangegangenen Verhaltens hat:* nicht aber darauf* ob es objektiv geeignet war*-eine strafgerichtliche Verfolgung zu veranlassen* soll, an der zu § 157 a©P0 vertretenen Rechtsanslcht* daß der Deliktstatbestand*- der die «Bestrafung nach sieh ziehen konnte* nicht erst durch die unwahre Aussage selbst be- Sine Ausnahme wird nur für den Pall gemacht* daß der Zeuge in demselben Termin die falsche Aussage im unmittelbaren Anschluß beschwört* weil hier das Geschehen eine "natürliche Einheit" bilde0 Indessen liegt die Sache hier nicht anders die Anwendbarkeit des § 157 StGB in dem Palle ver~ •neint9 wo der kommissarisch vernojmnene Zeuge auf Beschluß des Prozeßgerichts zu seiner Aussage in einem neuen Termin beeidigt wird und einen Meineid leistete Per Große Senat vermag der im Vorlegungsb eschluß vertretenen Auffassung nicht beizupflichten? 269 angeführt worden sind, der Ansicht, daß5, wenn in demselben Hechtszug der Zeuge eine in weicher Form und Folge auch immer abgegebene Aussage beschwört«,: die Vorschrift des § 157 StGB auf den begangenen Meineid nicht anwendbar ist 0 'I.'- in den Rallen, in denen die uneidliche falsche..Aussage im Meineid.aufgeht, für die strafrechtliche ..Betrachtung eine einheitliche Straftat vorliegt0 Es fehlt somit,- worauf schon in BGHSt 5, -269 zutreffend hingewiesen .ist, an einer dem Meineide vorausgegangenen strafbaren Hand-; luhg| deretwegen dem Zeugen bei Angabe der Wahrheit die Ge-«.fahr einer gerichtlichen Bestrafung erwachsen könnte0 Zwar hebt § 157 StGB nöRo allein auf die Vorstellung des Zeugen ab, setzt also nicht voraus, daß die "Vortat% deretwegen er .gerichtliche Bestrafung befürchteT, strafbar istQ Jed-och darf auch die irrige Vorstellung sich niemals auf einen Vorgang beziehen, der ein Teilstück des den Meineid, bildender Gesamtgeschehens ist0- Hier gelten die Grundsätze, die das Reichsgericht für § 157 aoR0 entwickelt hat und die allerdings im weiteren Sinne auch auf dem Gedanken beruhen, wer erst durch, die falsche Aussage selbst die Gefahrenlage schaffe- könne daraus billiger Weise nicht, eine Strafmilderung eben wegen dieser falschen Aussage herleitena Gerade weil nach der Vorschrift, in ihrer jetzigen Fassung selbst bei gänzlich unbegründeten irrigen Vorstellungen des Schwörenden Strafmilderung möglich ist, müssen derartige Vorgänge, die Gegenstand der Bestrafung wegen Meineides sind, für die Frage, ob § 157 StGB änzuwenden sei, schlechthin außer Betracht bleiben* Bas ist auch dem Sinn und Zweck der Neufassung der Vorschrift zu entnehmen« Sie soll nicht schon platz greifen, wenn, der Aussagenotstand 'objektiv gegeben ist, sondern nur dann, wenn der Zeuge sich dieses Notstandes auch bewußt gewesen ist* Bern nur unter dieser Voraussetzung kann die Zwangslage ihn dazu bestimmt haben, falsch zu schwören* Bies allein vermag die Strafermäßigung unter Schuldgesiehtspunkten zu. 3c Noch ein weiterer, in BGHSt 5, 269 ebenfalls schon angeführter Grund spricht dafür, daß nach dem Willen des; Gesetzes § 157 StGB dem Zeugen nicht zugute kommen soll, der die zunächst uneidlich erstattete Aussage erst in einem neiien Termin nach summarischer oder ins Binzeine gehender Wiederholung beeidete Solche Fälle kommen häufig vor, insbesondere im Zivilprozeßo Wollte man hier §157 StGB auf die eidliche Aussage anwenden, weil dem Zeugen geglaubt wird oder doch nicht'widerlegt werden kann, er habe dabei die Absicht gehabt, die gerichtliche Bestrafung wegen des mit der ersten falschen Aussage begangenen Vergehens nach § 155 StGB von sich abzuwenden, so würde die Strafdrohung für den Meineid weithin außer Kraft gesetzt« Ber Bichter würde in vielen Fällen, in denen bisher die volle Strafe des Meineides den Zeugen traf, die Strafe mildern und von der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte absehen können« der .Wille des Gesetzgebers gewesen ist* mit der" neuen Strafdrohung gleichzeitig dem Meineidigen die Berufung auf § 157 StGB zu ermöglichen und so den Schutz der Rechtspflege gegenüber dem Meineide zu schwächen* dem in der Regel größerer Beweiswert beigeraessen wirdc Es geht nicht an* aus dem Gesetz etwas h er au s zule s en * was es ersichtlich nicht gewollt 'hato -lit" ,-v r satzes 'begangen sind* so kommt bei der Bestrafung wegen fortgesetzten Meineides § 157 StGB a-us den zu 2) und 3) dargelegten Gründen ebenfalls nicht in Betrachte Im übrigen ‘ werden hier die Voraussetzungen für die Anwendung des § 157 StGB auch deshalb nicht gegeben sein* weil der Zeuge die zunächst uneidlich erstattete Aussage wiederholt und he-