BGH · BLw 79/94 vom 02.03.1995
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Antragstellerin hat beantragt, festzustellen, daß sie nach dem Tod ihrer Schwester Hoferbin geworden ist. Da das Oberlandesgericht sie nicht zugelassen hat (§ 24 Abs. 1 LwVG) und es sich auch nicht um die Unzulässigkeit der Beschwerde handelt (§ 24 Abs. 2 Nr. 2 LwVG), wäre das Rechtsmittel nur zulässig, wenn das Oberlandesgericht von einer in der Rechtsbeschwerdebegründung angeführten Entscheidung eines der in § 24 Abs. 2 Nr. 1 LwVG bezeichnten Gerichte oder des Bundesverfassungsgerichts abgewichen wäre und der Beschluß auf dieser Abweichung beruhte. Eine solche Abweichung ist nur dann gegeben, wenn die angefochtene Entscheidung ausdrücklich einen sie tragenden, abstrakten Rechtssatz aufgestellt hat, der einem tragenden Grundsatz der herangezogenen Vergleichsentscheidung eines der genannten Gerichte widerspricht. Zu Unrecht meint sie, die angefochtene Entscheidung weiche in ihrer Annahme, daß bei einer Hofvor- und -nach-erbschaft die Hofeigenschaft der landwirtschaftlichen Besitzung im Hinblick auf den Nacherbfall fingiert werde (vgl. auch OLG Oldenburg, AgrarR 1978, 288) von dem Beschluß des Oberlandesgerichts Hamm vom 19. Denn die angefochtene Entscheidung beruht nicht auf diesem Rechtssatz, sondern auf der Feststellung mangelnder Wirtschaftsfähigkeit der Antragstellerin im Sinne des § 6 Abs.7 HöfeO. Soweit die Rechtsbeschwerde weiterhin meint, die angefochtene Entscheidung weiche auch hinsichtlich der Erfordernisse der Wirtschaftsfähigkeit "von der durchgehenden Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes" ab, legt sie schon nicht dar, welchen Rechtssatz das Beschwerdegericht im Hinblick auf die Wirtschaftsfähigkeit der Antragstellerin abweichend von den herangezogenen Vergleichsentscheidungen (RdL 1961, 264 und 314; RdL 1962, 236 und 237; RdL 1966, 211; RdL 1979, 304; AgrarR 1977, 327; AgrarR 1987, 222) Soweit die Rechtsbeschwerde eine Abweichung darin sieht, daß die angefochtene Entscheidung den Bestand eines Hofes nur als fingiert ansieht, ist dies für die Entscheidung wiederum nicht tragend. Das Beschwerdegericht hat die Wirtschaftsfähigkeit der Antragstellerin vielmehr deswegen verneint, weil sie nach ihrem Wissensstand nicht in der Lage wäre, die Maßnahmen eines sachkundigen Verwalters oder Pächters auf ihre Richtigkeit und Zweckmäßigkeit hin zu überprüfen. Damit weicht das Beschwerdegericht aber nicht von der herangezogenen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ab. Ob das Beschwerdegericht seine Feststellungen verfahrensfehlerfrei getroffen und den für die Wirtschaftsfähigkeit als maßgeblich erachteten Zeitpunkt des Erbfalls (BGH, Beschl. tig ermittelt hat, ist für die Frage der Zulässigkeit des Rechtsmittels ohne Bedeutung.