BGH · AnwZ (B) 5/80 vom 30.06.1980
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Die sofortige Beschwerde ist auch dann statthaft, wenn dein Beschluß des Ehrengerichtshofs die Auffassung zugrunde liegt, der Antragsteller habe seinen Antrag auf gerichtliche Entscheidung gegen die Zulassungsrücknahme wirksam zurückgenommen. Der Antrag des Antragstellers auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Beschwerdefrist wird zurückgewiesen. Die sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluß des Bayerischen Ehrengerichtshofs für Rechtsanwälte vom 29. August 1979 bei der Allgemeinen Einlaufstelle der Justizbehörden eingegangenen Schreiben des Antragstellers selbst erklärte dieser, er habe Rechtsanwalt Dr. B^flPP kein Mandat erteilt und sei mit der Rücknahme des Antrages nicht einverstanden. November 1979 sowohl Rechtsanwalt N^^^ als auch Rechtsanwalt zugestellt worden* Mit Schreiben vom 5• Februar 1980 hat der Antragsteller selbst sofortige Beschwerde eingelegt und mit Schreiben vom 12* Februar 1980 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Beschwerdefrist beantragt* 1* Sie ist allerdings statthaft* Nach § 42 Abs* 1 BRAO steht einem Antragsteller gegen Entscheidungen in Zulassungssachen in den dort unter Nr. 1 bis 5 auf geführten Fällen die sofortige Beschwerde zu* Allen diesen Fällen ist gemeinsam» daß sie Angelegenheiten von besonderer Schwere und Tragweite für den betroffenen Antragsteller behandeln und unmittelbar und endgültig seine Existenzgrundlage berühren* Der Bundesgerichtshof hat die Aufzählung in Absatz 1, die den vorliegenden Fall nicht ausdrücklich erfaßt» als abschließend angesehen (Beschluß vom 10* Mai 1971 - AnwZ (B) 5/71) und - anders als bei einem auf § 223 BRAO gegründeten Anfechtungsverfahren (vgl* Beschluß vom 27. Für den Antragsteller bedeutet der Beschluß im Ergebnis jedoch nichts anderes« Indem der Ehrengerichtshof die von Rechtsanwalt Neuner erklärte Rücknahme des Antrags als rechtswirksam behandelt» wäre» wenn man die Möglichkeit einer Beschwerde dagegen verneinen würde» dem Antragsteller jede weitere Möglichkeit der Anfechtung des Rücknahmebescheides der Landes Justizbehörde verschlossen« Der Verlust seiner Existenz wäre endgültig« Deswegen wendet sich der Antragsteller mit der sofortigen Beschwerde gegen den angefochtenen Beschluß nicht etwa nur» wie in der Sache AnwZ (B) 2/79 (Beschluß vom 7. Oktober 1979 - AnwZ (B) 10/79), entsprechend § 42 Abs. 1 Nr* 1 bis 5 BRAO dann mit der sofortigen Beschwerde anfechtbar, wenn sie eine Angelegenheit von gleicher oder ähnlicher Schwere und Tragweite fUr den Betroffenen behandeln wie in den in § 42 Abs. 1 Nr. 5 BRAO ausdrücklich genannten Fällen, wenn es z.B. darum geht, ob ein Antragsteller auch ohne ausdrückliche Zulassung zur Ausübung des Rechtsanwaltsberufs befugt ist (BGH NJV 1970, 199; vgl* auch Beschluß vom 13. November 1978 - AnwZ (B) 31/78)« Auf ähnlichen Erwägungen beruht die entsprechende Zulassung der sofortigen Beschwerde gegen die Verwerfung des Antrags auf gerichtliche Entscheidung als unzulässig wegen formaler Mängel (Beschluß vom 25. 2* Das Rechtsmittel ist indessen nicht innerhalb der in § 42 Abs.4 BRAO bestimmten Frist von zwei Wochen beim Ehrengerichtshof angebracht worden und aus diesem Grunde unzulässig. Dieser hat das nicht nur in seinem bereits erwähnten Schreiben an Rechtsanwalt Dr. B^JH sondern auch in seinen Schriftsätzen vom 12* und 18* Februar 1980 gegenüber dem Ehrengerichtshof selbst a) Das Wiedereinsetzungsgesuch 1st rechtzeitig gestellt* Nach Lage der Sache ist nicht auszuschlieSen, daß der Antragsteller, wenn überhaupt, so jedenfalls erst nach Eingang seines Gesuchs bei Gericht von der Zustellung des angefochtenen Beschlusses an seinen Verfahrensbevollmächtigten Rechtsanwalt erfahren und deren Bedeutung für ihn erfaßt hat« b) Der Antragsteller hat aber weder ausreichende Tatsachen vorgetragen, die die Versäumung der Beschwerdefrist entschuldigen könnten, noch hat er diese Tatsachen glaubhaft gemacht« Spätestens als er davon erfuhr, daß nicht Rechtsanwalt dem er (und zwar nach seinem eigenen Vorbringen allein) Vollmacht erteilt hatte, sondern ein anderer Rechtsanwalt, allerdings nicht wie er irrtümlich meinte, der ihm unbekannte Rechtsanwalt Dr« 6#i sondern in Wahrheit Rechtsanwalt gegen seinen Willen dem Ehrengerichtshof gegenüber die schriftsätzliche Erklärung abgegeben hatte, daß der Antrag auf gerichtliche Entscheidung zurückgenommen werde, hätte er sich als Rechtsanwalt sagen müssen, daß in der Frage der Verfahrensbevollmächtigung etwas nicht stimmen und daß diese Unstimmigkeit möglicherweise zu für ihn nachteiligen rechtlichen Folgerungen führen könne« Nit der bloßen Erklärung gegenüber dem Gericht, er habe Rechtsanwalt Dr« kein Mandat erteilt und sei mit der Rücknahme des Antrags nicht einverstanden, war die Unstimmigkeit nicht beseitigt« Der Antragsteller hätte sich vielmehr alsbald an Rechtsanwalt wenden, mit ihm gemeinsam die Unstimmigkeit aufklären und den Inhalt seines Mandats erneut und eindeutig festlegen müssen« c) Auch Rechtsanwalt Hhat sich nicht sorgfältig verhalten» als er nach Zustellung des angefochtenen Beschlusses nichts unternahm und die Beschwerdefrist ungenutzt verstreichen ließ« Das muß sich der Antragsteller wie eigenes Verschulden anrechnen lassen« Möglicherweise ging Rechtsanwalt im Zeitpunkt der Zustellung des angefochtenen Beschlusses allerdings davon aus» Rechtsanwalt N^S^» der diese Sache in Untervollmacht für ihn bearbeitet hatte» werde sie nach Aufhebung der BUrogemeinschaft selbständig weiterbearbeiten« Trotzdem hätte Rechtsanwalt den Antragsteller oder Rechte- anwalt N^f^von der Zustellung alsbald unterrichten müssen» umso mehr» als er aus der Tatsache» daß ihm der angefochtene Beschluß trotz seiner Gegenvorstellungen im Schriftsatz vom 14« November 1979 zugestellt wurde» ersehen mußte» daß der Ehrengerichtshof in der Frage der Bevollmächtigung möglicherweise eine andere Auffassung vertrat« Die - überdies nicht glaubhaft gemachte -Behauptung des Antragstellers» dazu sei Rechtsanwalt wegen einer Operation und auch wegen seiner deshalb "unorganisierten" Kanzlei und "verwirrten Angestellten" nicht in der Lage gewesen» schließt in dieser Allgemeinheit ein Verschulden des Rechtsanwalts nicht aus» der für den ordentlichen Geschäftsgang auch in seiner Abwesenheit Sorge tragen muß (vgl. Das war von seine Rechtsstandpunkt axis folgerichtig» Nur der Antragsteller selbst hätte durch die nach Sachlage gebotene rechtzeitige die eingetretenen Unstimmigkeiten über die Bevollmächtigung und den Umfang des Mandats, die einen entscheidenden Grund für die Fristversäumung dar stellen, ausräxameh können.