BGH · AnwZ (B) 4/60
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c) Der Syndikusanwalt entspricht bei seiner Tätigkeit als Syndikus für seinen Dienstherrn nicht dem allgemeinen anwaltlichen Berufsbild, wie es in der Vorstellung der Allgemeinheit besteht. Io Der Antragsteller ist Hauptgeschäftsführer des Verbandes des SflHBe„Vo Bonn« Er hat seine Zulassung als Rechtsanwalt hei dem Landgericht in Bonn beantragt* Der Vorstand der Antragsgegnerin hat sich gutachtlich dahin geäußert, daß der Versagungsgrund des § 7 Nr. 8 BRAO vorliege« Die Gründe hierfür sind: Der Antragsteller habe in erster Linie wirtschaftspolitische Aufgaben zu erfüllen, Fragen der Rechtsberatung spielten demgegenüber nur eine nebengeordnete Rolle« Das entspreche nicht dem Berufsbild des Rechtsanwaltso Durch seine dienstvertragliche Tätigkeit sei er beruflich so stark belastet, daß ihm zu einer nennenswerten konsiliarischen oder forensischen Tätigkeit als freier Anwalt keine Zeit bleibe» Damit fehle es an einer unerläßlichen Voraussetzung für die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. 1 o Der Antragsteller hat zur Überzeugung des Senat vorgetragen, daß er auf* den Gebieten des Lebensmittel-, des Kartell- und des Steuerrechts der Rechtsberater des Verbandes und dessen Vorstandes isto Vorwiegend hat er allerdings, wie die Bescheinigung seines Arbeitgebers vom 20« Juli 1959 ergibt, wirtschaftspolitische Aufgabe zu erfüllen« Aber das hindert seine Zulassung zur Recht anwaltschaft nicht* Die Ansicht der Antragsgegnerin, di Tätigkeit eines angesteilten Rechtsanwalts müsse rein juristischer Art sein, jede wirtschaftspolitische, kauf männische oder sonstwie gewerbliche Betätigung sei mit dem Anwaltsberuf unvereinbar, ist unrichtig« Der Versagungsgrund des § 7 Nr. 8 BRAO entfällt, wenn der Zulassungsbewerber eine Tätigkeit ausübt, die mit dem Beruf eines Rechtsanwalts oder mit dem Ansehen der Rechtsanwaltschaft vereinbar ist, und nach § 46 BRAC darf diese anderweitige Tätigkeit sogar so umfassend sein, daß sie -auf Grund eines ständigen Dienst- oder ähnlichen Beschäftigungsverhältnisses - die Arbeitszeit und -kraft des Rechtsanwalts überwiegend in Anspruch nimmt. Er durfte nur dann ins Vereinsregister eingetragen werden, wenn sein Zweck nicht auf einen wirt schaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist (§ 21 BGB)« Deshalb ist davon auszugehen, daß die Tätigkeit des Antragstellers hierzu nicht im Widerspruch steht, also in nicht größerem Umfang geschäftlicher Art ist, als dies dem sog« Idealverein zu dem Zwecke der inneren Verwaltung erlaubt ist (vgl* hierzu RGZ 154, 343, 351)• 3o Der Antragsteller hat nach seinem Anstellungsvertrag die Interessen des Hahrungsmittelgroßhandels wahrzunehmen und die wirtschaftspolitische Richtung des Verbandes nach Maßgabe der Beschlüsse der Verbandsgre-raien zu vertreten* Die Antragsgegnerin nimmt hieran zu Unrecht Anstoß* Auszugehen ist allerdings davon, daß die Unabhängigkeit ein Wesensmerkmal des Rechtsanwalts ist (§§ 1, 3 BRAO)* Aber § 46 BRAO erkennt an, daß ein Rechtsanv/alt in einem ständigen Dienstverhältnis zu einem bestimmten Auftraggeber stehen kann* Deshalb können Weisungen, die der Ordnung des Arbeitsverhältnisses dienen und von dem Dienstverpflichteten ein bestimmtes Verhalten verlangen, die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft nicht hindern* Der in einem ständigen Dienstverhältnis stehende Rechtsanwalt hat auch insoweit die anwaltlichen Berufspflichten zu erfüllen, als er in Abhängigkeit zu seinem Dienstherrn steht. seinen Arbeitgeber vor Gerichten oder Schiedsgerichten in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt tätig zu werden (§ 46 BRAO)« Der Grund für dieses Verbot liegt darin, daß im Interesse der Unabhängigkeit des Anwaltsberufs eine Grenze zwischen der dienstvertraglich gebundenen Tätigkeit mit ihrer zwangsläufig arbeitsrechtlichen Abhängigkeit und der anwaltlichen Tätigkeit gezogen werden muß und daß die Gefahr einer Überschreitung dieser Grenze im Einzelfall so groß ist, daß es der Gesetzgeber vorgezogen hat, dem Syndikusanwalt die Vertretung des Dienstherrn vor Gerichten und Schiedsgerichten in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt schlechthin zu verbieten» Der Syndikusanwalt hat eine Doppelstellung inner Er ist einerseits Angestellter und andererseits Rechtsanwalt» Soweit es um das AnstellungsVerhältnis geht, kann er allerdings seine Eigenschaft als Rechtsanwalt nicht abstreifen, aber diese Eigenschaft ändert nichts daran, daß das Arbeitsverhältnis von dem Prinzip der Über- und Unterordnung beherrscht wird» Die Bundesrecht sanwaltsordnung vermochte nicht in bestehende Arbeitsverträge einzugreifen und schreibt auch für nach ihrem Erlaß abgeschlossene Verträge keinen neuen Ar-beitsvertragstypus vor, der den Syndikusanwalt und seinen Dienstherrn etwa gleichgeordnet stellt« Wenn man, wie das die Bundesrechtsanwaltsordnung getan hat, die Institution des Syndikusanwalts bejaht, muß man auch dem gerecht werden, daß der Syndikusanwalt zwei Arbeitsbereiche hat, nämlich einen arbeitsvertraglich gebun- denen und einen als freier Anwalt«, Die Amtliche Begründung (zu § 59 So 77) sagt ganz mit Rechts "Der Syndikusanwalt entspricht bei seiner Tätigkeit als Syndikus für seinen Dienstherrn nicht dem allgemeinen anwaltlichen Berufsbild, wie es in der Vorstellung der Allgemeinheit besteht« In das Berufsbild des Anwalts, das sich von ihm als einem unabhängigen Organ der Rechtspflege geformt hat, läßt sich nur die Tätigkeit einfügen, die der Syndikus als Anwalt außerhalb seines Dienstverhältnisses ausübt. Dagegen sind bei der Tätigkeit, die er als Syndikus für seinen Dienstherrn leistet, die typischen Wesensmerkmale der freien Berufsausübung, die das Bild des Anwalts bestimmen, nicht gegeben.” durchaus recht mit ihrer Ansicht, daß die freie Rechts anwaltschaft auf den Prinzipien des Leistungswettbewerbs, der Wettbewerbsneutralität und der- freien Anwaltswahl beruht und daß die freien Anwälte weder durch eine dem Verbandssyndikus leicht mögliche unsichtbare Werbung noch durch eine Umgehung des Werbeverbots ins Hintertreffen geraten dürfen» Aber die Gefahr des Werbens für die Praxis ist keine Präge der Zulassung, sondern eine solche der Ehrengerichtsbarkeit* § 46 BRAO schließt Verbände nicht als Arbeitgeber von Rechtsanwälten aus* Da das Prinzip der freien Anwaltswahl keine Ausnahme bei Syndikusanwälten erleidet, haben die Verbandsmitglieder die Möglichkeit, den Verbandssyndikus, der Rechtsanwalt ist, in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt um Rat anzugehen» Daher kann dem Antragsteller die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft auch nicht deshalb versagt werden, weil nach seiner eigenen Darstellung damit zu rechnen ist, daß er sich seine Praxis vornehmlich aus dem Kreis der Mitglieder des ihn beschäftigenden Verbandes aufbaut» Er wird allerdings mit besonderer Sorgfalt darauf zu achten haben, daß auch im Einzelfall jede standeswidrige Werbung, ,ja sogar der Anschein einer solchen, unterbleibt«