BGH · AnwZ (B) 1/94 vom 11.07.1994
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- Antragstellerin und Beschwerdegegnerin wegen Zulassung zu dem Oberlandesgericht Der Bundesgerichtshof, Senat für AnwaltsSachen, hat am 11. Auf die Beschwerde des Antragsgegners wird der Beschluß des Berufsgerichtshofs für RechtsanwaltsSachen des Freistaates Sachsen beim Oberlandesgericht Dresden vom 11. Der Antrag der Antragstellerin auf gerichtliche Entscheidung gegen den Bescheid des Präsidenten des Oberlandesgerichts Dresden vom 28. Auf den dagegen gerichteten Antrag auf gerichtliche Entscheidung hat der Berufsgerichtshof den angefochtenen Bescheid aufgehoben und den Antragsgegner verpflichtet, die Antragstellerin beim Oberlandesgericht Dresden zuzulassen. 1. Nach § 23 Abs. 1 Nr. 4 RAG n.F. soll die Zulassung bei einem Oberlandesgericht in der Regel versagt werden, wenn der Bewerber nicht bereits fünf Jahre lang als Rechts- Insoweit handelt es sich um eine Ermessens ent Scheidung der Justizverwaltung, die gemäß § 35 Abs.3 RAG im gerichtlichen Verfahren nur daraufhin überprüft werden kann, ob die gesetzlichen Grenzen des Ermessens überschritten sind oder ob von dem Ermessen in einer dem Zweck der Ermächtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht worden ist (zu der gleichlautenden Vorschrift des § 39 Abs.3 BRAO vgl. b) Entgegen der Auffassung des Berufsgerichtshofs sind hinlängliche Gründe für eine vorzeitige Zulassung zu dem Oberlandesgericht, aus denen ein Ermessensfehlgebrauch des Antragsgegners hergeleitet werden könnte, nicht ersichtlich. Die fünfjährige Wartezeit vor der Zulassung zu dem Oberlandesgericht soll gewährleisten, daß beim Oberlandesgericht nur Rechtsanwälte mit längerer, aufgrund umfassender Anwaltstätigkeit in Vorinstanzen erworbener Erfahrung zugelassen werden (Senatsbeschluß vom 21. Eine solche Erfahrung konnte nicht durch eine langjährige Tätigkeit als Justitiarin in einem Maschinenbauunternehmen der früheren DDR, auf die die Antragstellerin sich beruft und auf die der Berufsgerichtshof abstellt, erworben werden; andernfalls würden die Voraussetzungen der Regelung in § 23 Abs. 1 Nr. 4 RAG n.F., daß eben nur eine fünfjährige Tätigkeit als Rechtsanwalt im beschriebenen Sinne genügt, ausgehöhlt. Ein Abweichen von der Regel des § 23 Abs. 1 Nr. 4 RAG ist auch nicht deswegen geboten, weil die Antragstellerin vor Inkrafttreten des Sächsischen Gerichtsorganisationsgesetzes in Berufungs-Zivilverfahren vor allen Bezirksgerichten postulationsfähig war und diese Postulationsfähigkeit nach der Übernahme der Gerichtsorganisation der alten Bundesländer entfällt, soweit die Berufungsverfahren vor den neu zu errichtenden Oberlandesgerichten zu führen sind. Diese mit wirtschaftlichen Einbußen verbundene Einschränkung der Postulations fähigkeit trifft alle Rechtsanwälte, die die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Zulassung zu dem Oberlandesgericht (noch) nicht erfüllen. Daß insoweit für die Antragstellerin ein rechtlich geschützter Besitzstand nicht vorliegt, hat der Berufsgerichtshof zutreffend dargelegt. Durch den Einigungsvertrag ist die Gerichtsorganisation der alten Bundesländer für die neuen Bundesländer übernommen worden, und zwar mit der Maßgabe, daß diese "durch Gesetz die im Gerichtsverfassungsgesetz vorgesehenen Gerichte und Staatsanwaltschaften ein(richten), sobald hierfür unter Berücksichtigung der Bedürfnisse einer geordneten Rechtspflege jeweils die personellen und sachlichen Voraussetzungen gegeben sind" (EVertr. Es war daher seit Wirksamwerden des Beitritts nicht mehr fraglich, ob die Postulationsfähigkeit der Rechtsanwälte in Sachsen den für die alten Bundesländer geltenden Vorschriften angepaßt werden wird; lediglich der Zeitpunkt der Anpassung blieb offen (vgl. Schließlich ist ein Ausnahmefall auch nicht wegen einer Unterversorgung aufgrund einer zu geringen Anzahl der beim Oberlandesgericht Dresden zugelassenen Rechtsanwälte gegeben. Wie dem Senat aus einer Reihe ähnlich liegender Verfahren bekannt ist, war bereits eine ausreichende Zahl von Bewerbern vorhanden, die die Regelvoraussetzungen erfüllten, als der Antragstellerin die begehrte Zulassung bei diesem Oberlandesgericht versagt wurde.