BGH · AnwZ (B) 20/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Vogt ohne mündliche Verhandlung beschlossens Die sofortige Beschwerde der Antragsteilerin gegen den Beschluß des Bayerischen Ehrengerichtshofs für Rechtsanwälte vom 7» September 1965 v/ird zurückgewiesen» 2o § 226 BRAO ist wegen seines Ausnahmecharakters keiner ausdehnenden Auslegung fähig (vgl«, den Beschluß des Senats AnwZ (B) 3/65 vom 31» Mai 1965 = Ehrenger <, Entsch. Es handelt sich im vorliegenden Pall nicht darum, eine Anschauungslücke des Gesetzgebers auszufüllen, wie in dem vom Senat entschiedenen Pall, in welchem der Bewerber seiner Residenzpflicht am Ort des Oberlandesgerichts erlaubterweise durch Errichtung einer auswärtigen Kanzlei genügt hatte (vgl» den Beschluß AnwZ (B) 3* Die Antragstellerin meint, § 226 Abs» 3 BRAO müsse auch zu Gunsten von Bewerbern angewendet werden, welche am 1„ Oktober 1959 bei einem anderen bayerischen Landgericht zugelassen v/aren als bei dem am Sitz des Oberlandesgerichtso Diese Ansicht ist mit dem klaren und eindeutigen Y/ortlaut und Sinn des § 226 Abs» 3 BRAO nicht vereinbar,, Diese Vorschrift fordert ausdrücklich, daß Zulassung und Kanzlei des Bewerbers an und seit dem maßgebenden Stichtag bei dem Landgericht bestanden haben müssen, an dessen Sitz sich das Oberlandesgericht oder ein Senat davon befindet O ' richten zugelassenen Anwälten gewährt werden, die noch vor Inkrafttreten der BundesrechtsanwaltsOrdnung beabsichtigt hätten, demnächst ihre Simultanzulassung beim Oberlandesgericht anzustreben, die aber aus persönlichen Gründen ihre Zulassung damals noch nicht an dem am Sitz des Oberlandesgerichts befindlichen Landgericht hätten nehmen können oder wollen«, Biese Voraussetzungen, so behauptet sie, seien bei ihr gegeben; sie habe ihre Zulassung zunächst in Weiden nehmen müssen, um dort die Kanzlei ihres kurz zuvor verstorbenen Vaters v;eiterzuführen und abzuwickeln,, Bie vom Gesetzgeber in § 226 Abs«, 3 BRAO getroffene Entscheidung hat den Sinn und Zv/eck, nur in ganz eng begrenztem Rahmen Ausnahmen vom Grundsatz der Singular zulas sung, v/ie er in § 25 BRAO niedergelegt ist, zuzulassen* Über diese bewußte Entscheidung des Gesetzgebers dürfen sich die Gerichte nicht hinwegsetz en«, die am Stichtag bei einem am Sitz des Oberlandesgerichts befindlichen Landgericht zugelassen waren, während das Gesetz keine Anwartschaft anerkenne für die Anwälte, welche am Stichtag bei anderen bayerischen Landgerichten zugelassen waren» Sie meint, auch bei diesen Anwälten habe eine solche Anwartschaft bestanden, da es vor Inkrafttreten der Bundesrechtsanwaltsordnung allein von ihrem eigenen Willensentschluß abgehangen habe, ob sie die Simultanzulassung beim Oberlandesgericht erhielten oder nichto Sie hätten als Voraussetzung dafür nur ihre Zulassung und Kanzlei an den Ort des Oberlandesgerichts zu ,,vorlegon,, brauchen0 Da die "Anwartschaften” in beiden Fällen gleichwertig seien, hätte sie der Gesetzgeber auch gleich behandeln müssen«. Das trifft nicht zu» Die Tatbestände liegen nicht gleich» Der Gesetzgeber durfte daher in § 226 Abs„ 3 BRAO Ungleiches ungleich regeln«, Eine "Anwartschaft" auf Simultanzulassung der am 10 Oktober 1959 beim Landgericht am Sitz des Oberlandesgerichts zugelassenen Anwälte bestand in der Tato Das Gesetz durfte daher daran besondere Rechtsfolgen knüpfen» Demgegenüber hatten die bei anderen bayerischen Landgerichten zugelassenen Rechtsanwälte bei Inkrafttreten der Bundesrechtsanwalts Ordnung keinerlei Anwartschaft auf eine Zulassung beim Oberlandesgericht0 Die Bundesrechtsanwaltsordnung verstößt daher nicht gegen das Grundgesetz, wenn es ihnen die Möglichkeit einer Simultanzulassung beim Oberlandesgericht nicht eröffnet (vgl» auch den o.a» Beschluß des Senats vom 9» Oktober 1961 = EhrengeroEntscho VII, 14)»