BGH · 6 StR 89/55 vom 19.04.1955
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Senatspräsident Br. Geier als Vorsitzender, Bundesrichter Bundesrichter Bundesrichter Bundesrichter Br. Sauer Br. Heimann-Trosien Br. Willms Weber als beisitzende Richter, Oberstaatsanwalt als Vertreter der Bundesanwaltschaft, Justizangestellter als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle, für Recht erkannts Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts in Oldenburg vom 19. Me Strafkammer hat den Angeklagten wegen tateinheitlicher Vergehen nach §§ 90a und 128 StGB zu vier Monaten Gefängnis verurteilt» Dabei hatte sie nur noch das Strafmaß gegen den Angeklagten festzusetzen» Der Schuldspruch war schon rechtskräftig, seitdem die Revision des Angeklagten gegen das erste, denselben Sachverhalt betreffende Urteil der Strafkammer vom erkennenden Senat im Schuldspruch verworfen war» Juli 1954 «4 StR 276/54) ausgeführt hat« muß der Ablehnung einer Anwendung des Jugendstrafrechts auf einen Heranwachsenden eine ins einzelne gehende rechtlich nachprüfbare tatrichterliche Würdigung des Täters und seiner Tat zugrunde liegen« die blosse Wiederholung der Gesetzesworte genügt ebensowenig wie die Erwähnung des Eindrucks« den der Richter vom Angeklagten in der Hauptverhandlung gewonnen hat» Diese Grundsätze verdienen im vorliegenden Pall um so eher Beachtung? während der er in seiner geistigen und sittlichen Entwicklung wesentlich fort sein geschritten/und sich der Vollreife eines Erwachsenen genähe haben kann« überdies hat die Strafkammer seine Persönlichkei nur unter dem Gesichtspunkt der geistigen, nicht aber auch ‘ der sittlichen Entwicklung beurteilt* In einem Pall wie dem vorliegenden, bei dem seit der Tat des heranwach senden Täte bis zu seiner Aburteilung eine längere Zeit der Entwicklung verstrichen ist, wird der Tatrichter die Mitwirkung der Jugendgerichtshilfe nicht entbehren können, um die Persönlichkeit des Täters, so wie es § 105 Abs 1 Nr 1 JGG verlangt, zutreffend würdigen ,zu können. Nach § 38 Abs 3 JGG ist im gesamten Verfahren gegen einen Jugendlichen - Entsprechendes gilt für einen Heranwachsenden '§ 107 JGG) - die Jugendge- ■ riehtshilfe heranzuziehen* Dies ist in der Hauptverhandlung gegen den Angeklagten unterblieben* Auch dieser von der Revision geltend gemachte Verfahrensmangel muß zur Aufhebung des Strafausspruchs führen, da er eine mangelhafte Beurteilung der Täterpersönlichkeit zur Polge gehabt haben kann.