BGH · 6 StR 70/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landgerichts München I vom 24* Februar 1955 wird verworfen» .Dor Angeklagte ist kommissarischer Kreisleiter der KPD in Donauwörth ^ Im Aufträge seiner Partei gewann er mehrere erwachsene Personen für den Besuch des •’Zwei ten Deutschlandtreffens Pfingsten 1954“ in Ostberlin und fuhr zusammen mit den üorigen Teilnehmern in einem von ihm bestellten Omnibus zur Zonengrenze, wo die Weiterreise mit einem anderen Omnibus fortgesetzt werden sollte.* 45 StGB zur last» Das Landgericht hat den Angeklagten freigesprochen* Die auf Verletzung sachlichen Rechts gestützte und vom Oberbundesanwalt vertretene Revision der Staatsanwaltschaft hat keinen Erfolg, Soweit ein Vergehen nach § 100 d Abs 2 StGB in Betracht kommt, wird der Freispruch von der Feststellung getragen, daß der Angeklagte unwiderlegt auf Veranlassung eines ihm übergeordneten Funktionärs der KPD in dem angegebenen Sinne tätig wurde und diesen seinen Auftraggeber nicht als einen im Aufträge einer ausserhalb der Bundesrepublik bestehenden Vereinigung tätigen Agenten im Sinne der Strafvorschrift angesehen hat» Hinsichtlich der Straftatbestände der §§ 90a, 128, 129 StGB könnte eine Verurteilung des Angeklagten über haupt nur dann in Betracht kommen, wenn dieser sich bewußt war oder zu dem mindesten damit rechnete, daß er die FDJ bei ihrer Tätigkeit innerhalb der Bundesrepublik unterstützte* Nach den mit der Revision nicht angreifbaren Feststellungen des Landgerichts war dem Angeklagten jedoch seine Einlassung nicht zu widerlegen, daß er lediglich als Funktionär der KPD kommunistische Ziele fördern und den Teilnehmern einen Einblick in die Verhältnisse der DDR ermöglichen wollte, Hinzuzufügen wäre hier nur, daß eine Person, die im Bereich eines Kreises an führender Stelle nachhaltig für die Teilnahme an der Veranstaltung einer, sei es nach § 90a StGB oder nach § 129 StGB, verbotenen Vereinigung wirbt und diese Teilnahme durch Bereitstellung von Verkehrsmitteln fördert, im allgemeinen als Rädelsführer oder Hintermann im Sinne dieser StrafvorSchriften anzusprechen sein wird.